• Dr. Ludger Wess

MetaMorphoSys.

Biotechnologie. Schon der Name verheißt größte Flexibilität und schnelle Reaktion auf die Marktänderungen. Simon Moroney, Gründer und CEO der Biotechfirma MorphoSys (unten), hat dies in der Vergangenheit sehr gut hinbekommen. Und wird damit wohl auch in Zukunft Erfolg haben.

„Unser Geschäftsmodell hat sich bewährt“, resümiert Simon Moroney. „Wir haben mit unseren Dienstleistungen gute Umsätze erzielt und in den Entwicklungspartnerschaften wertvolle Erfahrungen gesammelt. Doch nun werden die Weichen neu gestellt.“

Als private wealth im Herbst 2007 den gebürtigen Neuseeländer Moroney trifft, hat der gerade anstrengende Jahre hinter sich. 1992 gegründet, war MorphoSys 1999 an den Neuen Markt gegangen und dort über Nacht zum Börsenstar avanciert. Innerhalb weniger Wochen steigt der Marktwert des Unternehmens, das aus einer riesigen Bibliothek von zwölf Milliarden Antikörpern Medikamente herstellen will, von 50 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro. Und fällt dann, als die Blase platzte und ein Patentstreit MorphoSys’ Existenz bedrohte.

Moroney reagiert. Zieht die Reißleine.  Personalabbau. Ein Viertel der Belegschaft muss gehen. MorphoSys neu setzte auf ein Geschäftsmodell, das am bes­ten mit „hohe Chancen, kaum Risiko“  umschrieben werden kann.

Im Mittelpunkt stehen 19 Entwick­lungspartnerschaften mit Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen. Diese dürfen das Antikörper-Know-how von MorphoSys nutzen. Und bezahlen dafür in Form von Forschungszahlungen und Prämien, sobald bestimmte Ziele („Meilensteine“) erreicht werden. Kommt ein Medikament schließlich auf den Markt, winken Umsatzbeteiligungen von rund fünf Prozent.

Zweites Standbein des Unternehmens ist zu diesem Zeitpunkt die Vermarktung von Antikörpern für Forschungszwecke und die Diagnostik. Dieser Bereich steuert unter dem Namen AbD Serotec ein Drittel des Firmenumsatzes bei.

Einen großen Teil der so generierten Einnahmen investierte Moroney in eigene Arzneimittelkandidaten, um sie bis zum Wirksamkeitsnachweis zu entwi­ckeln. Projekte in diesem Stadium sind nach wie vor begehrt bei Pharmaunternehmen, denn das Risiko für Fehlschläge ist dann bereits erheblich gesunken. MOR 103 und MOR 202 heißen die Projekte. „Wenn wir zeigen können, dass sie im Menschen funktionieren, können wir sie zu wirklich interessanten Bedingungen verkaufen“, erklärt er damals.

Diesen Weg ist Simon Moroney tatsächlich lange Zeit sehr erfolgreich und konsequent gegangen. Ende 2007 dann gelang es MorphoSys, eine strategische Allianz mit dem Pharma-Riesen Novartis einzugehen. Die beiden Unternehmen vereinbarten eine umfangreiche langjährige Partnerschaft, um die Identifizierung therapeutischer Antikörper gegen eine große Bandbreite an Krankheiten voranzutreiben.

„Wir wurden damit ein wichtiger Technologie-Partner von Novartis bei der Entdeckung und Entwicklung thera­peutischer Antikörper“, sagt Moroney heute. „Gleichzeitig ermöglichten uns die finanziellen Vereinbarungen und das auf zehn Jahre angelegte Bündnis den Ausbau und die beschleunigte Weiterentwicklung unserer eigenen Medikamentenkandidaten.“ Die vertraglich zugesicherten Zahlungen an MorphoSys belaufen sich auf mehr als 400 Millionen Euro. Hinzu kommt weiteres Umsatzpotenzial aus zukünftigen Meilen­steinzahlungen sowie Gewinnbeteiligungen oder Tantiemen auf Produkte, die aus der Zusammenarbeit hervorgehen.

Für Moroney ein Signal, die nächste Metamorphose einzuleiten. „Diese Vereinbarung gab uns endlich den finanziellen Raum für eigene Projekte.“ 2012 schärft MorphoSys seinen Fokus dann erneut, veräußert den Geschäftsbereich AbD Serotec für 53 Millionen Euro in bar an Bio-Rad Laboratories und konzentriert sich seither auf therapeutische Anwendungen. „Damit wurden wir ein vollständig auf Technologien und Medikamentenentwicklung ausgerichtetes Unternehmen. Wir konnten unsere finanziellen Ressourcen zielgerichtet auf die Projekte lenken, die wir als die entscheidenden Werttreiber betrachteten.“

Wenig später findet MorphoSys, wie schon vor sieben Jahren erhofft, Interessenten für die beiden ersten und wichtigsten eigenen Projekte: MOR103, ein Antikörper zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen, wird von GlaxoSmithKline übernommen. MOR202, ein Antikörper zur Bekämpfung von Krebs, geht an Celgene.

„MOR103 haben wir komplett abgegeben“, erläutert Moroney, „GlaxoSmithKline übernimmt die Verantwortung für die gesamte Weiterentwicklung und Vermarktung. Bei MOR202 werden wir die Entwicklung mit Celgene gemeinsam vorantreiben und die Entwicklungskos­ten im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel teilen. Dabei haben wir auch eine gemeinsame Vermarktung in einigen europäischen Ländern vereinbart.“

Die Verkaufsbedingungen sind tatsächlich interessant. GlaxoSmithKline zahlt 22,5 Millionen Euro sofort; abhängig vom weiteren Erfolg könnte MorphoSys weitere 423 Millionen sowie gestaffelte, zweistellige Tantiemen aus den Verkäufen einnehmen. Celgene überweist 70,8 Millionen und erwirbt MorphoSys-Aktien im Wert von 46,2 Millionen Euro. Hinzu kommen potenziell weitere Einnahmen aus Meilensteinen von bis zu 628 Millionen, dazu noch Tantiemen.

„Damit leiten wir die nächste Stufe der Unternehmensentwicklung ein“, erklärt Moroney. „Wir bewegen uns nun auf der Wertschöpfungskette immer weiter nach oben. Wir haben uns mit unserer Antikörper-Expertise vom Zulieferer zum Partner entwickelt, der viel stärker involviert ist als früher. Damit sind wir jetzt auch deutlich medizinischer geprägt.“

Was das bedeutet, zeigt sich im Frühsommer 2014. In einer neuen strategischen Allianz mit Merck Serono geht es darum, gemeinsam Therapieformen zu entwickeln, die das Immunsystem anregen, Tumore anzugreifen. Anders als bei der Allianz mit Novartis sieht die Vereinbarung vor, dass MorphoSys die Forschungs- und Entwicklungskosten mittragen wird. „Es ist also keine reine Dienstleistung wie bei Novartis, sondern eine gemeinsame Entwicklung“, erklärt Moroney.

Mittlerweile arbeitet das Unternehmen an 83 Antikörper-basierten Medikamentenkandidaten – entweder allein oder mit Partnern. Darunter sind neue Therapeutika gegen Krebs, rheumatoide Arthritis und Alzheimer. „Wir können also durchaus sagen, dass wir ein Marktführer im Bereich therapeutische Antikörper geworden sind. Und das ist immerhin die derzeit weltweit am schnellsten wachsende Medikamentenklasse“, erläutert Moroney.

Auch der Aktienmarkt honoriert die Strategie des Unternehmens. Im Jahr 2007 lag der Marktwert der Firma noch bei 368 Millionen Euro. Heute sind es mehr als 1,8 Milliarden. „Der große Schub kam, als unsere klinische Studie von MOR103 zeigte, dass das Medikament wirksam ist. Das führte zu einer kompletten Neubewertung des Unternehmens. Wir werden jetzt als Medikamentenentwickler gesehen und entsprechend bewertet.“

Dass das neue Risiken mit sich bringt, weiß Moroney natürlich. In den Zeiten der Defensivstrategie war MorphoSys immer profitabel. „2014 sind wir es wohl zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht mehr“, informiert Moroney: „Wir sehen das aber als ein Zeichen der Stärke, denn wir haben das Geld nachhaltig in eigene Produkte investiert. 2007 hatten wir keine eigenen Antikörperkandidaten in der klinischen Entwicklung, heute sind es drei.“

In der Titelgeschichte vor sieben Jahren hatte private wealth der Firma eine glänzende Zukunft „made in Germany“ verheißen. Simon Moroney hat diese Erwartung mehr als erfüllt.    ®

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