• Gerd Hübner

„Es ist besser, nicht nur auf einem Bein zu stehen.“

Diversifikation. Als private wealth Anfang 2011 Dieter Manz besuchte, schien die Branche Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Deshalb setzte Manz auf Anlagen für die Herstellung von Solarzellen. Tatsächlich waren es nur die Lichter eines entgegenkommenden Zuges. Das Sterben in der Solarindustrie hatte eben erst begonnen. Dieter Manz und seine Firma überlebten dennoch – weil sie rechtzeitig abgebogen sind.

Den entscheidenden Satz formulierte Dieter Manz damals einfach so nebenbei. „Es ist immer besser, auf zwei oder drei Beinen zu stehen.“ Manz sagte es fast entschuldigend – weil das Interview mit private wealth Anfang 2011 doch eigentlich das Comeback der Solar­indus­trie zum Thema hatte. Und nicht das zweite Geschäftsfeld der Manz AG, in dem der Unternehmer Maschinen zur Herstellung von Flach-Panel-Displays nach Asien verkauft.

„Solar reloaded“ titelte private wealth damals. Und Dieter Manz skizzierte eine aufregende Zukunft. Die Netzparität, also der Punkt, an dem der aus Sonnenenergie erzeugte Strom ebenso billig oder günstiger ist als der traditionell hergestellte Strom, werde bald erreicht sein. Dann werde auch die Nachfrage nach Solarzellen wieder anziehen. Und die Umsätze mit den Maschinen seiner Firma, der Manz AG, massiv nach oben ziehen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir in zehn Jahren um den Faktor zehn gewachsen sein werden“, prognostizierte Manz zu dieser Zeit.

Dreieinhalb dieser zehn Jahre sind vorbei. Und statt der nächsten Welle im Solarbereich kam zunächst einmal die nächste große Krise. Chinesische Hersteller von Solarzellen überschwemmten den Weltmarkt mit billigen Modulen. Dazu kam Mitte 2012 die Kürzung der Solarförderung in Deutschland. Laut der Bundesregierung ging der Umsatz der deutschen Solarbranche von 11,9 Milliarden Euro in 2011 auf 7,34 Milliarden Euro im Folgejahr zurück. Die Zahl der Beschäftigten in dem Sektor sank von 110 000 auf 87 000.

Und Manz? 2011 hatte die Firma 240 Millionen Euro umgesetzt, 2012 waren es dann nur noch 184 Millionen Euro. Im Solarbereich brach der Umsatz um über 77 Prozent auf 16,4 Millionen Euro ein. Das operative Minus betrug mehr als 47 Millionen Euro. Und der Börsenwert der Firma fiel von mehr als 350 auf unter 100 Millionen Euro. Heute ist Manz wieder auf dem Weg, die 300-Millionen-Umsatzgrenze zu erreichen. Davon allerdings nur noch knapp vier Prozent aus dem Bereich Solar. An der Börse wird Manz wieder mit fast 400 Millionen Euro bewertet.

private wealth Herr Manz, wie haben Sie die Solarkrise überlebt?
Dieter Manz Als die Solarbranche im vergangenen Jahrzehnt ihre Hochzeit erlebte, haben sich viele Anbieter, Maschinenbauer wie Modulhersteller, dazu entschlossen, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken. Sie wollten sich so ein größeres Stück von diesem Kuchen abschneiden. Wir haben uns für eine andere Strategie entschieden: Wir haben in dieser Boomphase das im Solarbereich verdiente Geld in den Ausbau unseres Display-Geschäfts gesteckt.

pw Und das hat Ihre Firma gerettet?
DM Ja. Wir haben uns dort als einer der führenden und innovativsten Anbieter von Maschinen zur Herstellung von Dis­plays etabliert. Zwischen 2011 und 2013 haben wir unseren Umsatz in diesem Bereich von knapp 100 auf über 170 Millionen Euro gesteigert. Insgesamt kletterte unser Umsatz so im Jahr 2013 um rund 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

pw Das war ein smarter Schachzug. Was hat den Ausschlag dafür gegeben?
DM Zum einen, dass es besser ist, nicht nur auf einem Bein zu stehen. Zum anderen haben wir aber auch viel Wachstumspotenzial im Display-Bereich gesehen und deshalb damals dazugekauft.

pw Ist das Kapitel Solar damit für Sie beendet?
DM Nein, natürlich nicht. Dass China den Markt mit billigen Modulen überschwemmte, hatte auch einen positiven Effekt. Die weltweite Marktkapazität hat sich dadurch zwar verdoppelt. Das hat die Branche durcheinandergewirbelt und vielen deutschen Unternehmen das Genick gebrochen. Es hat aber auch geholfen, die Kosten zu senken und die technologische Entwicklung schneller voranzutreiben.

pw Hat dies dazu geführt, dass die Netzparität – wie von Ihnen vorhergesagt – nun erreicht ist?
DM Wir haben tatsächlich heute in über 100 Ländern auf der Welt Netzparität, zumindest in Bezug auf den Haushaltsstrom. Beim Industriestrom sind wir noch nicht so weit. Entscheidend ist, dass die Netzparität auch in Ländern besteht, wo die Solarbranche nicht subventioniert wird. Die weltweite Nachfrage nach Solarmodulen wächst deshalb derzeit um 20 bis 30 Prozent pro Jahr. Wir als Maschinenbauer sind zwar noch nicht über den Berg, aber wir sollten von diesem Wachstum mittelfristig auch profitieren.

pw Das Auf und Ab des Geschäfts spiegelt sich auch im Aktienkurs Ihrer Firma wider. Ist es ein Nachteil für Familienunternehmen an der Börse notiert zu sein?
DM Nein. Nachteilig sehen wir diesen Schritt, abgesehen von den recht hohen Anforderungen an die Transparenz, nicht. Im Gegenteil: Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, waren sehr hilfreich. Das Controlling hat sich durch diesen Schritt quasi automatisch verbessert und wir konnten so eine ergebnisorientierte Kultur im Unternehmen schaffen.

pw Sie und Ihre Frau besitzen etwas mehr als 45 Prozent der Firma. Hatten Sie in den Krisenjahren, als deren Marktwert unter 100 Millionen sank, keine Angst vor feindlichen Übernahmen?
DM Nein, das war nie ein Thema und hat uns auch in der Krise nie beschäftigt. Bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft braucht es für die Abwehr einer feindlichen Übernahme die Mehrheit in der Hauptversammlung – und die liegt deutlich unter 50 Prozent. Insofern bestand nie eine Gefahr.

pw Sie hatten Anfang 2011 angekündigt, den Bereich Anlagen für den Bau von Lithium-Ionen-Batterien zum dritten Standbein ausbauen zu wollen. Wie weit sind Sie damit gekommen?
DM Dort haben wir seit 2011 noch eine weitere Übernahme getätigt und zählen inzwischen zu den weltweit führenden Maschinenbauern. 2013 ist unser Umsatz dort um über 36 Prozent auf neun Millionen Euro gestiegen und wir gehen davon aus, dass sich dieser 2014 nochmals wenigstens verdoppeln wird.

pw Wie lautet Ihr Ausblick für den Solar­bereich?
DM Wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass es sich lohnt, antizyklisch zu investieren. Deshalb investieren wir derzeit wieder in unser Solarsegment. Wir arbeiten daran, die Kosten für die Modulherstellung zu senken und den Wirkungsgrad der Module sowie den Durchsatz unserer Maschinen zu steigern. Wir gehen davon aus, dass wir damit als führender Maschinenbauer in diesem Bereich von dem anstehenden Investitionszyklus in diesem Sektor profitieren werden.     ®

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