• Gerd Hübner

An der Spitze bleiben.

Hidden Champion. Der Übergang von einer Generation zur nächsten zählt zu den größten Herausforderungen für ein Familienunternehmen. Als private wealth im Jahr 2005 die Geschichte des deutschen Hidden Champions Winterhalter erzählt, ist der Übergang in die zweite Generation längst vollzogen. Heute, neun Jahre später, übernimmt der Enkel des Firmengründers immer mehr Verantwortung. Eine Geschichte darüber, wie es gelingt, oben zu bleiben – für Generationen.

Zu hohe Lohnnebenkosten, zu viel Bürokratie. Deutschland-Bashing war 2005 in Mode. Private wealth setzte damals ein Zeichen und belegte anhand der Geschichte hiesiger Familienunternehmen, dass es nicht trotz, sondern wegen der Besonderheiten des Stand­ortes Deutschland gelingen kann, Weltmarktführer zu werden.

Exemplarisch dafür stand die Firma Winterhalter, global erfolgreicher Spezialist für gewerblich genutzte Spülsysteme. „Wir sind hier verwurzelt, es sind gewachsene Strukturen entstanden und wir haben hier ausgezeichnete Mitarbeiter“, fasste Geschäftsführer Jürgen Winterhalter damals die Gründe für die Wahl Deutschlands als Sitz der Unternehmenszentrale zusammen.

Heute ist die Firma aus Meckenbeuren am Bodensee erfolgreicher denn je. „Die Zahl unserer Mitarbeiter ist seit 2005 von rund 800 auf über 1200 gestiegen, den Umsatz haben wir von 132 Millionen auf 224 Millionen Euro gesteigert und wir sind heute in über 70 Ländern tätig“, erzählt Jürgen Winterhalter, Sohn des 2012 im Alter von 100 Jahren verstorbenen Firmengründers Karl Winterhalter.

Der Familie Winterhalter hat damit etwas Besonderes geschafft – den gelungenen Übergang in die zweite Generation zu bewerkstelligen und mit Produkt­innovationen auf dem Weltmarkt erfolgreich zu bleiben. Allzu oft findet sich entweder kein passender Nachfolger in der eigenen Familie oder es gibt Streitereien zwischen den Erben und in der Folge einen Bruch im Geschäft. Beides war bei Winterhalter nicht der Fall. Nun steht der nächste Schritt an: die Stabübergabe an die dritte Generation. Mit Ralph Winterhalter ist der Enkel des Firmengründers dabei, immer mehr Verantwortung zu übernehmen.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens? „Entscheidend ist zunächst einmal, dass wir immer an unserer Unternehmensphilosophie festhalten“, erklärt Jürgen Winterhalter. Konkret bedeutet das: Der Kunde steht im Mittelpunkt. „Wir vermarkten nicht unser Produkt, sondern verstehen uns als Problemlöser für alle, die sauberes Geschirr in der gewerblichen Gastronomie brauchen – und das weltweit.“

Innovationen seien deshalb gefragt. Aber was ist bei einem ausgereiften Produkt wie der Spülmaschine überhaupt noch zu verbessern? „Da gibt es viele Stellschrauben“, macht Jürgen Winterhalter klar. Es könne daran gearbeitet werden, noch bessere Spülergebnisse in noch kürzerer Zeit zu erzielen. Oder die dabei verbrauchten Ressourcen, also Strom und Wasser, immer weiter zu reduzieren. Und weniger Chemie einzusetzen. „In all diesen Bereichen sehen wir viel Potenzial und haben deshalb in Innovations- und Laborkapazitäten investiert.“  

Bemerkenswert ist auch das Vorgehen in Sachen Internationalisierung. Diese treiben die Schwaben gezielt und mit Augenmaß voran. „Die Entwicklung bleibt hier in der Zentrale, dazu kommen drei Produktionsstätten in Deutschland und der Schweiz“, so der Senior-Chef. Neue Märkte und Länder erschließt die Firma über selbst gegründete reine Vertriebs- und Servicegesellschaften, in denen überwiegend Mitarbeiter aus dem jeweiligen Land den Markt bearbeiten. „Zukäufe sind momentan nicht auf unserer Agenda. Sie können für uns allerdings ein Thema sein, wenn wir diese für strategisch wichtig erachten.“ In den vergangenen Jahren wurden so neue Märkte unter anderem in Brasilien, in Thailand, in Vietnam, in Singapur oder auch in Schweden erschlossen.

Heute zählt die Firma zu den drei weltweit führenden Firmen bei Spülsystemen in der Gastronomie. Eine stabile Basis, auf der dann ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens leichter möglich ist. „Natürlich“, schränkt Jürgen Winterhalter ein, „können Sie die Übergabe an die nächste Generation nicht erzwingen. Das muss nicht immer funktionieren. Um aber die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, müssen die Weichen früh gestellt werden.“

Genau das war bei ihm selbst der Fall. Schon als Kind war die Werkstatt der Firma sein Spielzimmer. Später war er auf Messen dabei, bei Firmenveranstaltungen, und hatte engen Kontakt zu den Mitarbeitern der Firma. „Ich bin praktisch mit dem Unternehmen aufgewachsen. So entsteht eine emotionale Bindung“, erzählt der heute 70-Jährige.

Natürlich sei allein dies und das Interesse am Familienbetrieb noch keine ausreichende Qualifikation. „Aber es ist ein Antrieb, um sich über die entsprechende Ausbildung diese Qualifikation zu erwerben.“

Die Stabübergabe selbst wird dann im Haus Winterhalter gut vorbereitet. „Das ist ein laufender Prozess, der sich bei uns über viele Jahre hinzieht“, erzählt der Senior-Chef. Er selbst hatte sich zunächst um die Erschließung neuer Exportmärkte und danach um technische Entwicklung gekümmert. Der Vater hatte sich gleichzeitig langsam aus diesen Bereichen zurückgezogen. Bis Jürgen Winterhalter die Geschäfte schließlich dann ganz übernahm.

Genauso läuft der Übergabeprozess jetzt wieder ab. „Mein Sohn Ralph hatte zunächst die Verantwortung für die Schweiz, wo wir eine unserer drei Produktionsstätten betreiben, übernommen, dann kamen sukzessive Auslandsmärkte hinzu und schließlich – als Betriebswirt ist das sein Steckenpferd – der Vertrieb und das Marketing.“ Heute ist der Senior-Chef zwar noch aktiv, vor allem aber deshalb, weil es ihm noch „sehr viel Spaß macht“, wie er selbst sagt. In einigen Bereichen aber hat er die Verantwortung schon komplett abgegeben.

Ein anderes Thema, das private wealth schon 2005 angeschnitten hatte, ist deshalb auch heute immer noch kein Thema – ein Verkauf der Firma. „Auch wenn es viele Angebote gab, kommt das nicht infrage. Wir fühlen uns gut aufgestellt und haben das Ziel, weiter unabhängig zu bleiben. Schwerpunkt unserer Produktion wird weiterhin in Deutschland sein.“ Denn dieser Standort biete nach wie vor gute Voraussetzungen, um an den Märkten der Welt erfolgreich zu sein.      ®

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