• Gerd Hübner

Der Kampf geht weiter.

Balanceakt. Mit hoher Aggressivität expandierten Bernd Wolschner und seine Firma SW Umwelttechnik im vergangenen Jahrzehnt in die aufstrebenden Märkte Osteuropas. Doch die Finanzkrise beendete das Wachstum und brachte die Firma an den Rand des Konkurses. ­Seitdem kämpft Wolschner um das Überleben des Familienunternehmens – mit ersten Erfolgen.

Es gibt nicht viele Unternehmen, die seit mehr als 100 Jahren bestehen. Die SW Umwelttechnik, Hersteller von Betonfertigteilen für Wasserschutz und Infrastruktur, feierte dieses Jubiläum 2010. Wobei feiern vielleicht nicht das richtige Wort ist. Denn dieses Jahr war zugleich der Beginn für die wohl schwierigste Phase in der Firmengeschichte.

„Wir hatten Anlagen und Werke aufgebaut, deren Kapazität für einen Umsatz von 140 Millionen Euro ausgelegt waren“, erläuterte Bernd Wolschner, der die Firma aus dem österreichischen Klagenfurt in der vierten Generation führt, Anfang 2010 gegenüber private wealth. Tatsächlich beträgt der Umsatz zu dieser Zeit aber nur knapp 74 Millionen Euro. Der Marktwert des Eigenkapitals liegt bei 13 Millionen Euro. Dem stehen aber Schulden in Höhe von 95 Millionen Euro gegenüber, 79 Millionen Euro davon sind Finanzverbindlichkeiten.

Die Kennzahlen, die sich daraus errechnen lassen, sind ein Desaster. Wolschner muss handeln. Und er weiß, dass es ein langer Kampf um das Fortbestehen der Firma werden wird.

Im Jahr 2010 skizzierte der Unternehmer drei große Baustellen. Es galt ers­tens, die Finanzierung des operativen Geschäfts zu sichern. Zweitens, die Kos­ten zu senken, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Und schließlich drittens – natürlich – den Umsatz zu steigern.

Bei der Lösung des ersten Problems hat Bernd Wolschner mittlerweile einen Etappensieg errungen. „Es ist uns gelungen, die mit unseren Finanzierungspartnern getroffene Vereinbarung über die Tilgung von Investitionskrediten zu erfüllen. Deshalb können wir nun mit den Banken eine langfristige Finanzierung vereinbaren.“ Auch bei der Reduzierung der Kosten ist er ein gutes Stück vorangekommen.

Insgesamt hat Wolschner die Zahl der Arbeitsplätze seit 2010 von 628 auf 381 gesenkt. „Und wir haben uns unter anderem von dem margenschwachen Projektgeschäft, wo wir als Generalunternehmer bei Bauprojekten tätig sind, getrennt. Stattdessen fokussieren wir uns nun ganz auf unsere Kernkompetenz, die Herstellung von Betonfertigteilen für die Infrastruktur.“

Dies alles war dringend notwendig. Denn statt zu steigen, ist der Umsatz seit 2010 noch weiter eingebrochen – auf nur noch 50,7 Millionen Euro 2013.  Ein Teil dieses Rückgangs – etwa 17 Millionen Euro – war zwar darauf zurückzuführen, dass Unternehmensbereiche abgegeben wurden. Die entscheidende Rolle spielte aber das schlechte konjunk­turelle Umfeld in Ungarn, wo sich das Marktvolumen gegenüber dem ohnehin schon schlechten Jahr 2010 nochmals um fast 25 Prozent reduzierte. „Der Tiefbaumarkt in Ungarn ist zudem um weitere 20 Prozent zurückgegangen, der Wohnungsbau hat sich praktisch aufgelöst“, erklärt Wolschner.

Die verminderte Kostenbasis hat aber zumindest dazu beigetragen, dass 2013 ein Gewinn vor Steuern und Zinszahlungen in Höhe von 2,3 Millionen Euro verblieb. Ein Lichtblick. Dass trotzdem unter dem Strich ein Minus in Höhe von 1,2 Millionen Euro stand, erläutert Wolsch­ner, sei der Firmenwertabschreibung bei den abgegebenen Unternehmen und dem Wechselkurs geschuldet.

Aktuell hat die SW Umwelttechnik drei Werke in Österreich, drei in Ungarn und zwei in Rumänien. Den Wert der Anlagen in Rumänien und Ungarn muss Wolschner in lokaler Währung ansetzen. Fallen die Kurse von ungarischem Forint und rumänischem Leu, schmälert dies den Wert seiner Anlagen in diesen Ländern in Euro.

Abschreibungen auf das Anlagevermögen sind nötig, machen aus dem operativen Gewinn einen tatsächlichen Verlust und schmälern das Eigenkapital weiter. Eine knifflige Situation. Denn dadurch bedingt liegt die Eigenkapitalquote inzwischen nur noch bei 4,4 Prozent, während die Finanzverbindlichkeiten noch immer rund 70 Millionen Euro betragen.

Wenig erfreulich ist für Bernd Wolsch­ner auch der Blick auf den Aktienkurs seines Unternehmens, der seit Anfang 2010 von rund 30 auf unter sechs Euro gefallen ist. Damit wird die Firma derzeit gerade noch mit rund vier Millionen Euro bewertet.
Als einen Fehler erachtet er es dennoch nicht, das Familienunternehmen im Jahr 1997 an die Börse gebracht zu haben. „Zwar ist Börse gleichbedeutend mit Öffentlichkeit.

Da Familienunternehmen generell aber eher zur Zurückhaltung bei der Publikation ihrer Daten neigen, ist der Begriff börsennotiertes Familienunternehmen eigentlich ein Widerspruch in sich“, überlegt er. „Allerdings ist der Gang an den Kapitalmarkt auch ein interessanter Weg, um Kapital für Expansionsbestrebungen in die Firma zu holen.“ Schließlich hatte ihm der Gang an die Börse die Expansion nach Osteuropa erst ermöglicht.

Wichtig sei nur, sich genau zu überlegen, wie viele Anteile abgegeben werden sollen. „Unter 25 Prozent ist in der Regel zu wenig, weil Sie damit die Kapitalchancen nicht nutzen. Liegt er dagegen bei über 50 Prozent, dann verlieren Sie in gewisser Weise die direkte Kontrolle über das Unternehmen.“

Die Familie Wolschner hält über die eigene Privatstiftung sowie als direkte Anteile über 51 Prozent am Unternehmen. Wolschner und sein Vorstandskollege Klaus Einfalt, der Schwiegersohn seines Bruders, können so weiter die Fäden in der Hand halten. Momentan scheint der Patient, wie es so schön im Ärztejargon heißt, stabil zu sein. „Die schwierigste Periode des Kampfes ist vorbei“, meint Wolschner. Entscheidend ist nun, ob es ihnen gelingt, den Umsatz zu steigern.

Dafür aber braucht es üblicherweise Investitionen. Und natürlich Kapital. Das aufzutreiben ist aber schwierig. Denn die Möglichkeiten, sich zusätzliches Kapital zu beschaffen, sind für ihn stark eingeschränkt. „Im aktuellen Börsenumfeld und angesichts der Risikoaversion der Investoren bezüglich der osteuropäischen Märkte und der Bauzulieferin­dustrie ist eine Kapitalerhöhung über die Börse schwer vorstellbar“, überlegt Wolschner. Auch andere Wege, wie die Hereinnahme eines strategischen Partners oder eines Finanzinvestors, seien für ihn derzeit nicht interessant.

„Wir haben uns auf darauf eingestellt, allein zu agieren, und es ist uns gelungen, die finanzierenden Banken mit unserer Geschäftsentwicklung in den vergangenen Jahren zu überzeugen. Zudem  haben wir in moderne Anlagen in Ungarn und Rumänien investiert, die derzeit noch nicht voll ausgelastet sind“, sagt Wolschner.

Insofern sieht er sich auch nicht in der Zwangslage, bei einer Verbesserung des Umfelds in Sachanlagen investieren zu müssen. Bleibt also die Hoffnung, dass die Märkte in Ungarn und Rumänien anspringen. „Und dass sie wieder wachsen, ist ja nicht auszuschließen“, sagt er. Da schwingt schon ein bisschen feine Ironie mit. Bernd Wolschner hat zwar wichtige Erfolge errungen. Er weiß aber auch, dass der Kampf noch lange nicht vorbei ist.      ®

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