• Yvonne Döbler

Doppelter Ertrag.

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TubeSolar 2 2021

Photovoltaik und Landwirtschaft – kann das nicht auf denselben Flächen funktionieren? „Kann“, informiert Reiner Egner, Vorstand der Tubesolar AG: „Gemüse, Salate, Tomaten, Chilis – sie alle und viele Pflanzen mehr haben unter unseren Agri-Photovoltaik-Pilotanlagen zum Teil bessere Erträge erzielt als auf Ackerflächen ohne Solaranlage.“

Die Idee: Strom erzeugen mit Solar­panelen in Röhrenform. Sie werden auf Stelzen in beispielsweise fünf Meter Höhe über landwirtschaftlichen Nutzflächen aufgebaut. Die Vorteile: Regendurchlässigkeit und sauberer Strom sowie leichte Beschattung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, was den Boden bei extremer Sonne schützt. „Unterm Strich können höhere Erträge in der Landwirtschaft erzielt und gleichzeitig sauberer Strom erzeugt werden“, erklärt Egner. Weltweit gebe es immer mehr heiße Tage und lange Dürreperioden. Die Solarröhren helfen, das Austrocknen des Bodens zu verringern, sie sind regendurchlässig, wetterfest und Traktoren können unter ihnen hindurchfahren. Am Ende, so die Vision, sollen die Photovoltaik-Dünnschicht-Röhren eine jährliche Produktionskapazität von 250 Megawatt erreichen.

Egners Zielmärkte sind neben der Agri-Photovoltaik auch industrielle Gewerbedächer mit entsprechender Begrünung – „ein Markt mit Gigawatt-Potenzial allein in Bayern bei bestehenden und geplanten Gewerbebauten. Durch den Einsatz unserer Module auf Industrie- und Gewerbedächern tragen wir, in Verbindung mit Dachbegrünung, wesentlich zum Umwelt- und Klimaschutz bei gleichzeitiger Energieerzeugung bei.“ Die wichtigsten Herausforderungen bezüglich Statik und Luftangriffsfläche habe das Team bereits gelöst.

Ende 2019 wurde Tubesolar als Spin-off der Laborfertigung von Osram/Ledvance in Augsburg gegründet. Neben Reiner Egner gehört seitdem Technikvorstand Jürgen Gallina dem Vorstand an, Mehrheitsaktionär ist der Kulmbacher Unternehmer Bernd Förtsch.

Osram/Ledvance stellte damals unter anderem  Leuchtstoffröhren her, die als Grundlage für Photovoltaik-Dünnschicht-Röhren dienen. „Das Produkt benötigte einen Investor, da die chinesischen Investoren keine Solarproduktion in Deutschland aufbauen wollten“, erzählt Egner. Und sie interessierten sich nicht für die Solarröhren und das Know-how der Mitarbeiter. Vesselinka Koch, die diese Idee der Dünnschicht-Röhren zu Osram gebracht hatte, bat ihn, sich das Unternehmen einmal genauer anzusehen – was er tat.

Dabei traf Egner auf motivierte Entwickler und Maschinenbauer mit sehr viel Erfahrung in einem Markt, den der gelernte Banker als zukunftsfähig einstufte. „Wir haben dann strategische Investoren gefunden, die Patente für die Herstellung von Solarröhren erworben und im ersten Schritt zehn Mitarbeiter übernommen haben.“

Besonderes Potenzial bietet eine Kooperation, die Tubesolar mit der amerikanischen Ascent Solar (ASTI) vereinbart hat. Das Start-up hat sich für 2,5 Millionen Dollar am US-Unternehmen beteiligt und sich damit eine zweite Lieferquelle großer Volumina an Dünnschicht-Photovoltaik-Folie für ihre Glasröhrenmodule gesichert. Zudem ist der Aufbau einer gemeinsamen Produktionsstätte in Deutschland geplant sowie die Entwicklung spezieller Solarzellen.

Diese CIGS-Perowskit Tandemzellen sind sehr effizient und günstig in der Herstellung. „Sie haben daher in der Solarindus­trie disruptives Potenzial, da die marktführenden monokristallinen Siliziumzellen immer näher an ihr praktisches Effizienzmaximum kommen“, schreibt der Analyst Karsten von Blumenthal von First Berlin Equity Research.

2020 hat Tubesolar einen Nettoverlust von 2,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch im ersten Halbjahr 2021 wurden noch keine Umsätze erzielt. Der Nettoverlust betrug 1,2 Millionen Euro. Geld benötigte das Unternehmen vor allem für den Bau einer vollautomatischen Fertigungsanlage. Hierzu hat der Freistaat Bayern eine Förderung in Höhe von 10,8 Millionen Euro zugesagt, einen weiteren Teil stemmt Tubesolar durch zwei bereits platzierte Kapitalerhöhungen. Im März dieses Jahres wurde die jüngste mit 6,5 Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. „Mit unserer automatisierten Produktionsanlage können wir skalieren und konkurrenzfähige Preise bieten“, so Egner.

Größtes Risiko für Tubesolar ist die ausstehende Zertifizierung der Module durch den TÜV. Egner erwartet sie in den nächsten Monaten. Erst wenn die Zertifizierung erfolgt ist, kann die Produktion anlaufen – „wir rechnen in der zweiten Jahreshälfte 2022 mit dem Vertriebsstart“, informiert Reiner Egner.

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Autorin: Yvonne Döbler

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