• Klaus Meitinger

Softing – vor dem Durchbruch.

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 5 Minuten)

Softing neu

„Das Beste kommt erst noch“, sagte Wolfgang Trier vor einem Jahr im Unternehmerporträt von private wealth („Der Optimist“, link). Trier war im Jahr 2002 bei der Softing AG als Investor eingestiegen, hatte die Gesellschaft als CEO vor der Pleite bewahrt und seither durch einige Höhen und Tiefen gesteuert. Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie war der Unternehmer vor einem Jahr optimistisch geblieben. „Für 2021 haben wir die Rückkehr auf die 2019er Zahlen im Visier. 2022 – dann hoffentlich jenseits von Corona – wollen wir die 100-Millionen-Umsatz-Marke schaffen.“

Ein Check zeigt: Zwar hat Corona auch die Geschäftsentwicklung bei Softing im abgelaufenen Jahr deutlicher gebremst, als erwartet. Doch der Trend stimmt.

Im größten Segment (Industrial) und im kleinsten (IT Networks) steigen Umsätze und Auftragseingänge mittlerweile signifikant an. In beiden Bereichen schreibt Softing schwarze Zahlen und diese Sektoren sollten auch 2022 von der dann höheren Investitionsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft profitieren.

Besonders spannend verläuft die Entwicklung aber im dritten Bereich – Automotive. Hier macht Softing seit einigen Jahren Verluste – auch, weil für die 2018er Akquisition GlobalmatiX hohe Investitionen nötig waren. Genau die scheinen sich nun aber auszuzahlen.

„GlobalmatiX entwickelte eine kleine Box, die nachträglich hinter dem Armaturenbrett in jedes Auto, jeden Liefer- oder Lastwagen eingebaut werden kann“, erklärte Trier in der private-wealth-Geschichte. Die Box greift auf die Fahrzeugelektronik zu und schickt je nach Freigabe durch den Halter die benötigten Informationen in die Cloud. Jeder Parkrempler, jede Fahrt, jeder Unfall wird so aufgezeichnet. „Wir verkaufen also zunächst einmalig unsere Hardware, die die Elektronik im Fahrzeug anzapft. Ziel ist dann aber der Abschluss eines mehrjährigen Nutzungsvertrags für die Datenbeschaffung aus dem Fahrzeug. Je nach Umfang und Qualität können wir das für wenige Euro pro Monat und Fahrzeug leisten“, erläuterte er das Geschäftsmodell, das ein bisschen an die Erfolgsstory von Gilette erinnert. Die Rasierer gibt es zum Selbstkostenpreis, verdient wird mit den Klingen. Oder im Fall von Softing mit den Dienstleistungen.

Dieses Geschäft beginnt nun, anzulaufen. Ende Dezember meldete Softing einen ersten Großauftrag über 3000 Boxen und zusätzlich eine Kooperation mit MOSOLF, einem der führenden Systemdienstleister der Automobilindustrie in Europa. Die Idee: MOSOLF kann die Boxen sehr günstig in die Fahrzeuge einbauen und so für seine Kunden einen echten Mehrwert schaffen. Denn die sind dann in der Lage, jeden kleinsten Schaden dem Verursacher rechtssicher zuzuordnen – vor allem im Bereich des Carsharing ein echter Zusatznutzen.

GlobalmatiX liefert die Boxen und ein Set an Services. Denn letztlich kann GlobalmatiX alle elektronisch verfügbaren Daten aus den Fahrzeugen auslesen.

„MOSOLF möchte in den Bereich Digital Mobility einsteigen und tritt daher an alle seine Kunden heran. Wenn auch nur ein einziger MOSOLF-Großkunde, etwa eine der großen Vermietgesellschaften oder nutzergebundenen Flottenbetreiber, das GlobalmatiX-System einführt, reden wir jährlich über ein Potenzial von zusätzlich 50.000 Einheiten oder mehr“, skizziert Trier aktuell gegenüber private wealth die Perspektive

Besonders interessant: „GlobalmatiX verkauft jede Box mit mindestens 36 Monaten Service. Der Umfang der Services ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich und liegt pro Box typisch zwischen 5 und 15 Euro monatlich beziehungsweise zwischen 60 und 180 Euro jährlich“, erklärt Trier. Das weckt Phantasie: Denn ab einem gewissen Volumen spielen die Fixkosten in solchen softwaregetriebenen Geschäftsmodellen meist keine Rolle mehr. Die Nettomargen liegen dann oft weit über 50 Prozent.

Die vor einem Jahr in Ausgabe 02/2020 geäußerte Erwartung, spätestens 2022 könnte zu einem Jahr werden, in dem alle Bereiche der Softing AG gut laufen, scheint sich nun zu bewahrheiten.

Für Anleger:

Die Bereiche Industrial und IT Networks dürften 2021 ein operatives EBIT zwischen 4,5 und 6 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Angesichts der hohen Auftragseingänge besteht 2022 weiteres Steigerungspotenzial. Zur Information: Allein im Industriebereich lag der Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2021 bei 56,6 Millionen Euro (der Umsatz betrug 42,5 Millionen Euro). Unter dem Strich dürfte angesichts der roten Zahlen im Sektor Automotive bei Softing im Jahr 2021 ein operativer Gewinn von 2-3 Millionen Euro erzielt worden sein. 2022 sollte der Break-even dann auch in diesem dritten Unternehmensbereich erreicht werden.

Insgesamt sieht das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie interessant aus. Ein großer Teil des aktuellen Marktwertes von Softing – 62,8 Millionen Euro bei einem Aktienkurs von 6,90 Euro – ist durch die positive Ertragsentwicklung in beiden Bereichen Industrial und IT Networks abgedeckt. Dazu kommt nun längerfristig die GlobalmatiX-Phantasie. Trier selbst formulierte diese gegenüber der Zeitschrift „Der Aktionär“ so: „Wir sind überzeugt davon, in wenigen Jahren einen hohen zweistelligen Millionenumsatz erreichen zu können, der über die Jahre immer weniger von Hardware und immer mehr von Serviceleistungen dominiert wird.“

Einziger Wermutstropfen: Die Liquidität beim Handel in der Aktie ist sehr gering.

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Offenlegung: Der Autor dieses Artikels ist in Softing-Aktien investiert.

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