• Klaus Meitinger

Wir perfektionieren Klimaschutz.

CAP Aufmacher shutterstock 1129744511Innovation. Der einzig wirksame Klimaschutz ist es, Verschmutzungsrechte zu kaufen und für alle Zeit vom Markt zu nehmen. „Denn nur dann wird die Menge der CO2-Emissionen tatsächlich zurückgehen“, erklären Hanjo Allinger und Christian Jasperneite. Mit ihrer Firma CAP2 wollen sie jedem die Möglichkeit geben, seinen eigenen CO2-Fußabdruck effizienter zu kappen.

Im Februar 2020, als die Kneipen noch offen sind und dort Sozialkapital produziert wird, treffen sich Hanjo Allinger und Christian Jasperneite, um sich gemeinsam zu ärgern. Im Gesetz zum Kohleausstieg hatte die Bundesregierung nicht ausreichend sichergestellt, dass die im Jahr 2030 freiwerdenden Emissionsrechte tatsächlich vom Markt genommen werden. „Im schlimmsten Fall ist es ja so: Wenn wir sämtlichen Energiekonzernen verbieten, Kohle zu verfeuern, brauchen sie ihre Emissionsrechte nicht mehr, und diese können von anderen gekauft werden“, erklärt Allinger, „weil wir aber eine Mengenbegrenzung dieser Rechte in Europa haben, wäre der Klimaeffekt null. Die Rechte nutzt dann eben ein anderer.“

Jasperneite und Allinger haben gemeinsam in Passau studiert. Gingen gemeinsam nach Harvard. Verloren sich aus den Augen, als der eine Chefstratege bei M.M.Warburg wurde und der andere Professor für Volkswirtschaftslehre. Trafen sich wieder, um gemeinsam einen Disruptionsfonds zu lancieren. Und beschließen jetzt: „Wenn die Bundesregierung nichts tut, dann machen wir es selbst. Die Zertifikate müssen weg vom Markt.“

„Wir haben ein Gedankenspiel durchgeführt“, erklärt Jasperneite. „Wir wissen ja, dass von 2018 bis 2099 weltweit noch ungefähr 420 Gigatonnen CO2 emittiert werden dürfen, damit wir bis Ende des Jahrhunderts die 1,5-Grad-Grenze einhalten. Gäbe es einen globalen Emissionsmarkt, müssten wir nur die Emissionsrechte bei 420 Gigatonnen deckeln. Dann hätten wir es im Griff.“

Allein – es gibt keinen weltweiten Emissionshandel. Und schon gar keinen Konsens darüber, wie diese Rechte dann zu verteilen wären.

Aber es gibt den Europäischen Emissionshandel, der ziemlich genau so funktioniert, wie Jasperneite es beschrieben hat. Europas Staaten entscheiden, wie viele CO2-Äquivalente jedes Jahr vergeben werden – zum Teil umsonst, zum Teil im Auktionsverfahren. Immer im April müssen die Firmen dann für jede tatsächlich emittierte Tonne CO2 eines ihrer Verschmutzungsrechte abgeben. Blasen sie mehr CO2 in die Luft, als sie zugeteilt bekommen haben, müssen sie weitere Zertifikate am Markt erwerben oder eine Strafe in Höhe von 100 Euro pro Tonne bezahlen und die fehlenden Zertifikate zusätzlich im kommenden Jahr kaufen.

„CO2-Emission bekommt so in Europa nicht nur einen Preis, sondern auch eine Mengenbegrenzung. Wir haben uns gefragt: Lässt sich das nicht nutzen, um noch mehr für das Klima zu tun?“, erzählt Allinger. Ein Bier später haben die beiden eine Idee skizziert: „Wir könnten ja Zertifikate kaufen und in eine Stiftung packen, die sich in ihrer Satzung dem Klimaschutz verpflichtet. So können diese nie mehr verkauft werden und für Emissionen genutzt werden“, erzählt Jasperneite. „Sie sind dann sicher wie in einem Tresor, und alle anderen CO2-Emittenten müssen nun die Emissionen einsparen, für die wir die Rechte stillgelegt haben. So hätten wir effektiv etwas für das Klima getan.“

Kann das nicht sogar ein Geschäftsmodell sein? „Es gibt heute so viele, denen die Umwelt und das Klima am Herzen liegen. Wir dachten, vielleicht bezahlen die uns ja etwas dafür, dass wir ihr Geschäft nachprüfbar CO2-neutral oder mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel machen. Mathematisch wäre das kein Problem. Wir können genau berechnen, wie viele Zertifikate wir dafür kaufen und wegsperren müssten.“

Als die beiden über potenzielle Zielgruppen nachdenken, spielt ihnen die Ratifizierung des Pariser Klimagipfels in die Hände. Darin haben sich ja viele Nationen auf das 1,5-Grad-Ziel verpflichtet. „Das wird für viele Firmen ein Problem, die bislang ihren CO2-Fußabdruck über Atmosfair, Climatepartner oder Primaklima kompensieren“, macht Allinger klar.

Diese Organisationen bauen effizientere Öfen in Afrika, pflanzen Bäume, forsten auf. Doch künftig, vermutet der Wissenschaftler, würden die jeweiligen Länder sich die positiven Effekte zumindest zum Teil selbst anrechnen wollen. „Präsident Bolsonaro in Brasilien wird sagen: ,Danke, dass ihr bei mir Bäume gepflanzt habt. Jetzt brauche ich weniger CO2 einzusparen.‘ Dem Klima hilft dies aber nichts. Und auch die Anbieter der Kompensation können ihren Kunden nicht mehr versprechen, dass durch ihre Aktionen überhaupt tatsächlich CO2 reduziert wird.“

Firmenkunden, glauben die beiden, können sie nun ein besseres Angebot machen. „Wir haben das Problem der potenziellen Doppelnutzung nicht. Und es muss auch nicht kontrolliert werden, ob ein Baum noch steht. Oder dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen ist. Wenn wir Zertifikate kaufen und stilllegen, entsteht der Effekt sofort. Ohne Zeitverlust, ohne komplexe Vertragswerke.“

Das könnte, so die Idee, die Tourismusbranche interessieren, Kreuzfahrtriesen, die Frachtschifffahrt oder Sportveranstalter. „Wir könnten die kompletten Reisetätigkeiten der Teilnehmer kompensieren. Oder auch ein Schnitzel CO2-frei stellen. Und dies durch die Vergabe eines Siegels dokumentierbar machen“, sagt Jasperneite.

Der zweite potenzielle Kunde von CAP2 ist die Finanzindustrie. Rechnerisch lässt sich schließlich für jede Fondszusammensetzung ermitteln, wie viel CO2 die Firmen mit ihrem jeweiligen Anteil im Depot emittieren. Und wie viele Zertifikate jedes Jahr gekauft werden müss­ten, um das Portfolio in Sachen CO2 ganz zu neutralisieren oder zumindest mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel zu machen.

„Bei einem durchschnittlichen Aktienfonds“, rechnet Allinger vor, „müsste das Management Kosten zwischen 0,05 und 0,1 Prozent pro Jahr einkalkulieren, um die Lücke zwischen dem tatsächlichen Emissionspfad und dem, der zum 1,5-Grad-Ziel passt, zu schließen. Bei einer vollständigen Kompensation wäre das natürlich deutlich mehr.“

Dies hätten letztlich die Anleger über einen entsprechenden Performanceverlust zu tragen. „Die Vorteile für die Fondsgesellschaft machen dies aber mehr als wett“, ist Jasperneite überzeugt: „Sie könnten sich heute – da Nachhaltigkeit immer mehr zählt – deutlich vom Wettbewerb differenzieren. Und würden ihre Fondsmanager gleichzeitig von jeglicher Öko-Restriktion befreien. Denn die könnten nun wieder allein nach Renditeüberlegungen investieren. Investieren sie 1000 Euro in Adidas, kostet die komplette CO2-Freistellung drei Cent. Bei Siemens sind es 53 Cent, bei BMW 92 Cent und bei RWE 220 Euro. Wenn der Manager davon überzeugt ist, dass sich ein Investment trotzdem lohnt, kann er das nun wieder ohne schlechtes Gewissen tun. Denn wir kümmern uns um die Kompensation.“

Um selbst Geld zu verdienen, wollen die beiden Unternehmer bei den Finanzdienstleistern eine Gebühr erheben, die abhängig vom verwalteten Vermögen ist. Für Unternehmen soll der Beitrag dreigeteilt sein – „Berechnung der nötigen Kompensation, Kappung der Emissionen und Nutzung des von uns verliehenen Siegels“, zählt Allinger auf.

Mittlerweile sind die Unternehmer auf diesem Weg schon ganz schön weit gekommen. Die Firma ist gegründet. Es gibt einen eingängigen Namen – CAP2. Kompetente Mitstreiter wurden geholt. Startkapital organisiert. „Wir sind gerade in der zweiten Finanzierungsrunde. Und hoffen, noch einen der Shooting-Stars aus der Start-up-Szene dazugewinnen zu können, um die Firma in wenigen Jahren richtig groß zu machen. Wir möchten für diese Art von Dienstleistung über Deutschland hinaus zum Industriestandard werden“, skizziert Jasperneite, der als leidenschaftlicher Kapitalmarktstratege M.M.Warburg & CO treu bleiben wird und die operativen Tätigkeiten in der neu gegründeten Firma den Kollegen überlässt

Auch die Gespräche mit den ersten Fonds laufen. Bis 2025 will CAP2 Portfolios im Wert von 20 Milliarden Euro kompensieren. Schon 2022 rechnet die Firma mit einem Kernumsatz von drei Millionen Euro. „Das reicht leicht, um den Break-even zu erreichen“, informiert Allinger.

Sorge, dass die potenziellen Kunden ihre Idee selbst umsetzen, haben die beiden nicht. „Es ist nicht so einfach, die Zertifikate zu kaufen. Außerdem würde es Probleme bei Bilanzierung und Bewertung geben. Vor allem aber muss ein verlässlicher Partner garantieren, dass die Rechte nie mehr an den Markt kommen. Diese Glaubwürdigkeit können wir dank unseres Stiftungsmodells transportieren“, erklärt Jasperneite.

Und auch vor Wettbewerb ist ihnen nicht bange. „Es gibt eine Menge juristischer Fallstricke und Hemmnisse. Das müssen andere erst einmal stemmen. Wir könnten kopiert werden, klar. Aber eben nicht auf absehbare Zeit“, macht Allinger klar.

Eine Frage bleibt allerdings. Sorgen die beiden nicht selbst dafür, dass ihr Geschäftsmodell irgendwann nicht mehr funktioniert, wenn sie dafür sorgen, dass dank ihrer Initiative schneller als geplant die CO2-Neutralität erreicht wird? „Es wird auch nach 2050 noch CO2-Emissionen geben, die bepreist und kompensiert werden müssen“, überlegt Jasperneite, „und selbst, wenn es dann vorbei wäre, hätten wir 30 erfolgreiche Jahre als Unternehmer hinter uns.“

„Ganz ehrlich“, lacht Hanjo Allinger, „ich könnte auch damit leben, dass wir dann die Türen bei CAP2 abschließen. Und die Stühle hochstellen. Denn dann hätten wir doch einen guten Job fürs Klima gemacht.“ ®

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// Anlageidee reloaded – CO2-Emissionszertifikate.

Seit der europäische Emissionshandel vernünftig funktioniert, steigt der Preis für CO2-Emissionsrechte rasant an. In Ausgabe 04/2017 wies private wealth auf diese interessante Investmentidee hin. Das Zertifikat kos­tete damals 7,16 Euro. Heute notiert es bei fast 55 Euro – ein Gewinn von rund 700 Prozent. Zeit zu verkaufen?

Finanzanalyst Lawson Steele von der Berenberg Bank beobachtet den Markt schon länger und hat in den letzten Jahren immer wieder auf diese lukrative Investmentchance hingewiesen. Heute schreibt er: „Wir erwarten, dass der Preis für CO2 im nächsten Jahr auf 110 Euro pro Tonne steigen wird.“

Sein Argument: Zwischen dem, was die EU an neuen Rechten auszugeben plant, und dem, was Industrie, Flugverkehr und Energieversorger beim aktuellen Preis wahrscheinlich emittieren, wird sich in den kommenden vier Jahren eine deutliche Lücke auftun. Und diese kumuliert sich nach seinen Berechnungen so lange, bis im Jahr 2024 der Punkt der maximalen Knappheit erreicht ist. Emittiert eine Firma tatsächlich mehr, als sie an Verschmutzungsrechten besitzt, muss sie diese über den Sekundärmarkt zukaufen. Besitzt sie diese zum Abrechnungstermin nicht, muss sie für jedes fehlende Zertifikat eine Strafe in Höhe von 110 Euro je Tonne bezahlen und die fehlenden Zertifikate trotzdem ein Jahr später vorlegen. „Das wird kein Unternehmen riskieren. Im Extremfall sind deshalb auch Preise über 110 Euro nicht auszuschließen“, meint Steele.

Diese These wird allerdings unter Experten kontrovers diskutiert. Zwar besteht Einigkeit bezüglich der künftigen Knappheit. Fakt ist aber auch, dass sich aus der Vergangenheit, als die Rechte noch kostenlos ausgegeben wurden, ein erheblicher Bestand aufgebaut hat. Die Lücke könnte theoretisch aus dem Altbestand gedeckt werden.

Die Schlüsselfrage lautet also: Wer kontrolliert die alten Rechte und bei welchem Preis kommen diese wahrscheinlich auf den Markt? „Mehr als 80 Prozent sind im Besitz von Industrie, Flugverkehr und Energieversorgern“, informiert Steele. „Die wissen, dass es künftig enger wird, und werden ihre vorhandenen Bestände deshalb eher behalten.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die EU nun im Rahmen des Green Deal den CO2-Reduktionspfad künftig wohl ambitionierter gestalten wird. „Entweder Frau von der Leyen verknappt die verfügbaren Rechte direkt oder sie bezieht weitere Industriezweige mit in den Emissionshandel ein und sorgt so für eine stärkere Beschränkung. Im Lauf des Sommers werden dazu klare Aussagen kommen“, informiert Christian Jasperneite. Außerdem könnte sich in Deutschland nach der Bundestagswahl eine Koalition für einen deutlich höheren CO2-Preis ergeben.

Angesichts dieser politischen Unsicherheiten dürften die Firmen tatsächlich eher auf Nummer sicher gehen und ihre Rechte nicht verkaufen. „Per saldo ist es sehr wahrscheinlich, dass die Emissionsrechte in den kommenden Monaten noch teurer werden“, folgert Christian Jasperneite.

How to invest in CO2-Emissionsrechte.

// Ein Terminhandel mit CO2-Zertifikaten findet an der European Climate Exchange statt. Dort werden Terminkontrakte gehandelt. Die Liquidität ist allerdings nicht sehr hoch – der Handel selbst ist den Profis vorbehalten. Interessierte Anleger sollten sich an lizenzierte Banken oder Broker wenden.

// Für Privatanleger ist der Kauf von unlimitierten Turbo-Optionsscheinen auf CO2-Emissionsrechte möglich. Der größte Anbieter ist die Société Générale. Der Preis des Wertpapiers errechnet sich aus dem Kurs des CO2-Emissionsrechtes in Euro abzüglich des jeweiligen Basispreises. Dazu kommt in der Regel ein kleines Aufgeld. Um die Finanzierungskosten des Emittenten zu decken, werden Basispreis und Knockout-Barriere bei diesen nicht laufzeitbegrenzten Wertpapieren regelmäßig erhöht – der Wert des Knockouts sinkt also bei gleichbleibenden Kursen des Basiswerts.

Je näher dieser Basispreis am aktuellen Kurs des Emissionsrechts liegt, desto größer ist der Hebel der Turbo-Optionsscheine. Gleichzeitig steigt natürlich auch das Risiko der Anlage. Um nicht schon bei kurzen Bewegungen des CO2-Preises k. o. zu gehen, ist es ratsam, Papiere mit einem großen Abstand zu wählen.

CAPS Chart 32

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Autor: Klaus Meitinger

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