• Yvonne Döbler

... und Action!

020 Filme Franz Stepan

Filmproduktion. Immer mehr Unternehmen nutzen bewegte Bilder, um sich auf verschiedenen Kommunikationskanälen zu präsentieren. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Filme sind vielfältig. Doch bei der Produktion kann auch sehr viel schiefgehen. Erfolgreich sind derartige Projekte meist, wenn Unternehmen und Filmpartner zueinanderpassen. Ein Leitfaden für den Fit.

Sizilien. Ein Werbefilm für eine Autofirma soll vor der Oper von Palermo gedreht werden. Der zuständige Beamte zuckt mit den Schultern – keine Bedenken von seiner Seite. Doch die Produktionsfirma weiß: In Sizilien ist die Genehmigung von Behörde und Mafia nötig, sollen unangenehme Überraschungen ausgeschlossen werden. Der Chef des örtlichen Bestattungsunternehmens deutet dann auch an, ohne Geld könne der Dreh leicht misslingen. Vielleicht veranstalte in der fraglichen Zeit eine Menschenmenge dort ein Picknick. Oder die Straße werde aufgerissen.

„Ein erfahrener Produzent muss derartige landesspezifische Feinheiten kennen und die entsprechenden Kontakte besitzen“, macht Franz Stepan, Gründer und Geschäftsführer der TVT creative media GmbH, klar: „Sonst endet das Abenteuer Film schnell mit einer bösen Überraschung.“

Stepan selbst ist ein erfahrener Filmemacher. Die TVT creative media hat er vor 32 Jahren in München gegründet. Erfahrung, erzählt er, sei natürlich ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des passenden Filmpartners. Sie sei oft ein Indikator für verlässlich kalkulierte Kosten, das zeitnahe Einholen aller erforderlichen Drehgenehmigungen und Rechtssicherheit bei der Verwendung von Namen, Musik und Gegenständen, an denen andere potenziell Rechte halten könnten.

Deutsche Unternehmen müssen sich heute immer öfter mit diesen Themen befassen. „Allein aufgrund der Vielzahl der Internetplattformen sind sie fast schon gezwungen, vor allem auf den Social-Media-Kanälen weltweit mit bewegten Bildern präsent zu sein“, erklärt Stepan: „Dabei kann es um Werbe- oder Imagefilme gehen, um einen Dreh für eine Hauptversammlung oder Pressekonferenz, eine Unternehmens-Chronik, einen Schulungs- oder auch um einen Recruiting-Film.“

Für die meisten Firmenchefs ist das eine neue Herausforderung. „Sie kennen sich naturgemäß nicht aus in der Branche, sind unsicher in der Preisgestaltung. Und sie kennen zwar meist ihr Ziel, aber nicht den Weg, um es effektiv zu erreichen“, meint der Experte.

Im ersten Schritt sollten Auftraggeber deshalb Botschaft und Zielgruppe ihres Films ganz exakt definieren. Wer dies genau abgrenze, setze damit en passant auch einen groben Rahmen für die Länge des Films und das notwendige Budget. „Ein Werbefilm für das Fernsehen dauert selten länger als 30 Sekunden. Der Großteil aller Wirtschaftsfilme ist kürzer als vier Minuten. Und fernsehtaugliche Beiträge, etwa für Magazine, haben in der Regel eine Länge von bis zu 15 Minuten.“

Auch die Einbettung des Films in die Marketingstrategie des Unternehmens sollte intern besprochen sein: „Ich erlebe immer wieder, dass zwar die Idee für einen Film besteht, aber die Vorstellungen über das, was er transportieren soll, unklar oder überfrachtet sind“, erzählt Stepan. In der Vorbereitung sei es deshalb wichtig, dass alle Entscheider eingebunden sind. „Dann muss die Abstimmung nicht später im Unternehmen erfolgen.“

Unterstützung holt sich Stepan bei fast jeder Produktion, wenn es um die rechtliche Absicherung von Filmen geht: „Vor 30 Jahren konnten wir Filmer das selbst, heute ist die Medienwelt so kompliziert, dass es ohne Medienrechtler nicht mehr geht.“ Die größte Herausforderung ist die potenziell weltweite Verfügbarkeit von Filmen und die unterschiedlichen Regelungen an internationalen Drehorten. Was in Deutschland gezeigt werden darf, kann in Saudi-Arabien oder China verboten sein.

Doch auch viele kleine Dinge können schiefgehen. „Ein technisches Unternehmen ließ zum Beispiel eine audiovisuelle Präsentation für eine Messe erstellen“, erinnert sich Stepan: „Der Film war weder für das Fernsehen noch für andere öffentliche Kanäle gedacht. Allerdings nahm ein Zuschauer den Film mit seinem Mobiltelefon auf und stellte ihn ins Internet. Kurze Zeit später meldete sich ein Fachanwalt für Musikrechte beim Unternehmen und forderte eine Kompensation wegen einer Rechteverletzung.“ Hat tatsächlich eine Urheberrechtsverletzung stattgefunden? Und wer haftet?

Diese und viele weitere Fragen beantworten Medienrechtler wie Wolf-D. Schoepe. Der Jurist ist Partner der Kanzlei K&E Rechtsanwälte für Kultur und Entertainment in München.

„In obigem Fall haben wir einen Musikwissenschaftler damit beauftragt herauszufinden, ob es diese spezielle Tonfolge nicht auch schon zu früheren Zeiten gab – dann würde sie schließlich keinem Urheberrechtsschutz mehr unterliegen“, erzählt der 59-Jährige: „Tatsächlich konnte der Musikprofessor ein entsprechendes Gutachten beibringen. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung, die immer besser ist als ein Rechtsstreit, der unerwünschte Öffentlichkeit mit sich bringt.“

Heute werden Juristen deshalb von erfahrenen Filmern bereits im Vorfeld eines Vorhabens eingebunden. Meist sind sie bis zur Endabnahme des Films dabei, um etwa unbemerkt im Hintergrund hängende, möglicherweise mit Fremdrechten belegte Bilder oder Ähnliches aufzuspüren. Schoepe rät: „Auftraggeber sollten sich im Vertrag mit der Filmfirma zusichern lassen, dass diese für das Einholen aller Genehmigungen und die Beachtung aller Urheberrechte verantwortlich ist.“ Beim Unternehmer verbleibt allerdings die Pflicht, die Einverständniserklärung für das Filmen von Mitarbeitern und auf seinem Gelände befindlichen Gegenständen einzuholen.

Wie teuer ein laxer Umgang mit Genehmigungen werden kann, skizziert Schoepe anhand eines weiteren Beispiels: „Um eine kurze Frequenz von einer Autobahn zu filmen, stand das Team mit der Kamera auf der Schulter auf der Autobahnbrücke – was eine Autofahrerin als Blitzer identifizierte und stark abbremste. Das Auto hinter ihr fuhr auf. Liegt eine Drehgenehmigung vor, zahlt die Haftpflichtversicherung. Liegt sie nicht vor, kommt es mit sehr großer Sicherheit zum Streit zwischen Filmer und Auftraggeber.“

Wer sein Filmprojekt mit einer klaren Vorstellung und den richtigen Partnern angeht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit später ein Produkt erhalten, das ihm gefällt. Manchmal vielleicht sogar etwas mehr: „Wir haben den originalgetreuen Wiederaufbau des Prototyps des legendären Bugatti-Royal von 1926 über vier Jahre filmisch begleitet“, erzählt Franz Stepan: „Ein privater Sammler wollte den Film für das eigene Archiv. Tatsächlich ist aber ein derart emotionaler Film entstanden, dass er millionenfach angesehen wurde und auch im Fernsehen lief.“ Der zweite Teil der Bugatti-Story soll nun als Kinodokumentation entstehen. Und dann möchte Stepan noch eine TV-Reihe über erfolgreiche Familienunternehmen drehen: „Sie sind schließlich wesentliche Garanten unseres Wohlstands.“ ®

Autorin: Yvonne Döbler

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