• Yvonne Döbler

Wandel mit Chance.

Wandel mit Chance.

Gesellschaftsform. Börsennotierte Familienunternehmen entdecken zunehmend die KGaA als vorteilhafte Rechtsform. Die Familie Hornbach schloss die Umwandlung schon erfolgreich ab. Der Vorgang ist kein Hexenwerk – hat aber weitreichende Konsequenzen.

„Unser Rechtsformwechsel ist ja noch recht frisch, erst seit 9. Oktober sind wir eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)“, fasst Albrecht Hornbach die Erfahrungen der letzten Wochen zusammen: „Aber ich kann schon sagen, wir haben durch diesen Schritt unsere Position auf dem Kapitalmarkt gestärkt. Die Hornbach Holding hat jetzt nur noch eine Aktiengattung und eine höhere Marktkapitalisierung. Überdies liegt die Kontrolle über das Unternehmen gesichert in den Händen der Gründerfamilie. Die Familienführung ist ein wichtiges Asset, das gerade von Value-Investoren hoch eingeschätzt wird, hält sie dem Unternehmen doch den Rücken frei für eine nachhaltige Wachstumsstrategie.“

Einen ähnlichen Schritt hat in jüngster Zeit die Sto AG der Familie Stotmeister durchgeführt, und auch die Familie Ströer der Ströer AG strebt in den kommenden Monaten eine Umfirmierung an. Die Anzahl der KGaAs auf dem Kurszettel der deutschen Börsen nimmt also offensichtlich zu. Ein Trend? „Die Idee der Umwandlung in eine KGaA ist zwar noch relativ neu – wir beobachten aber tatsächlich eine verstärkte Nachfrage nach Beratung in diesem Bereich“, informiert Peter Englisch, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young in Essen. Für die Zukunft kann sich der Unternehmensberater vorstellen, dass die KGaA sogar eine typische Gesellschaftsform für größere Familienunternehmen mit Internationalisierungs- und Wachstumsplänen wird.

Börsennotierte Familiengesellschaften hätten in der Regel ein großes Problem: „Wollen sie wachsen, benötigen sie Kapital. Dies lässt sich natürlich über Kapitalerhöhungen organisieren. Kann die Familie aber nicht oder nicht vollständig mitziehen, droht sie die Mehrheit und damit die Kontrolle zu verlieren“, erklärt Englisch: „In diesem Punkt ist die KGaA die ideale Lösung.“

Tatsächlich regelt das Handelsgesetzbuch, dass der persönlich haftende Gesellschafter (phG) einer KGaA immer die Geschäftsführungsbefugnis innehat. Er nimmt in der KGaA die Rolle des Vorstands ein. „Das ist ja der wesentliche Vorteil der KGaA. Sie öffnet dem Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt und schreibt gleichzeitig die Geschäftsführung für die Familie fest“, erläutert der Experte: „Ob ein Individuum oder eine Gesellschaft der Komplementär ist, also ob beispielsweise eine GmbH & Co KGaA entstehen soll, kann die Familie nun je nach ihrem Bedarf entscheiden.“

Durch die persönliche Haftung werden auch andere Nachteile einer Aktiengesellschaft, die insbesondere in der Fremdkontrolle durch den Aufsichtsrat und der Gefahr einer feindlichen Übernahme liegen, aufgehoben. „Wer bei einer AG die Aktienmehrheit besitzt, hat Einfluss auf das Unternehmen. Die KGaA verhindert das, denn die Komplementäre bleiben immer geschäftsführungsbefugt. Auch dann, wenn ihr Anteil am Grundkapital auf null sinkt“, so Englisch.

Über die Ausgabe von neuen Aktien können also theoretisch unendlich viele interessierte Anleger am Unternehmen und am Unternehmenserfolg beteiligt werden – obwohl diese dann gleichzeitig vollkommen aus der Geschäftsführung ausgeschlossen werden.

Das muss für die familienfremden Aktionäre kein Nachteil sein. Mit den Firmen Henkel und Merck sind zum Beispiel zwei Schwergewichte an der deutschen Börse schon lange in dieser Rechtsform organisiert. Der anhaltende Erfolg – der Aktienkurs beider Firmen stieg in den vergangenen zehn Jahren deutlich: Henkel um 270 Prozent,   > Merck um 150 Prozent – zeigt, dass es grundsätzlich eine gute Idee sein kann, sich dort zu beteiligen, wo eine alteingesessene Unternehmerfamilie auf das Kapital achtet. Eine Familie, deren Strategie auf Geschäftserfolg über Jahrzehnte hinweg ausgerichtet ist. Und die dafür sorgt, dass die Interessen von Firma und Eigentümern immer in Einklang stehen. Wenn nun die Rolle der Familie in der KGaA gestärkt wird – umso besser.

Bei der früheren Hornbach Holding AG konkretisierten sich die Umwandlungspläne Ende des Jahres 2014. „Wir haben bereits eine lange Börsenhistorie. Angefangen mit dem Börsengang der Holding 1987, dem separaten Listing der Baumarkt AG 1993 und zwei börsennotierten Unternehmensanleihen. Wir waren also gut vorbereitet, ein Projekt dieser Größenordnung erfolgreich zu stemmen“, sagt Albrecht Hornbach.

Die Familie Hornbach, die seit Firmengründung im Jahr 1877 in Generationen denkt, suchte nach einer zukunftsfähigen Unternehmensstruktur. Im Mittelpunkt standen folgende Fragen: Wie kann sie ihren unternehmerischen Einfluss auf die strategische Ausrichtung und Geschäftsentwicklung der Hornbach-Gruppe dauerhaft und flexibler als bislang sichern? Und wie kann zugleich die Kapitalmarktfähigkeit der Hornbach Holding verbessert werden?

Die Antwort: Es galt vor allem, die komplexe Aktienstruktur zu vereinfachen. „Investoren äußerten immer wieder Kritik an der komplizierten Aktionärsstruktur der Hornbach Holding AG. Das Nebeneinander von Vorzugs­aktien ohne Stimmrecht einerseits und nicht börsennotierten Stammaktien andererseits hielt manche potenzielle Aktionäre von einem Engagement ab“, erklärt Albrecht Hornbach.

In der Vergangenheit war das Grundkapital in Höhe von 48 Millionen Euro zu gleichen Teilen in Stammaktien und stimmrechtlose Vorzugsaktien eingeteilt. Die Familie hielt zuletzt die gesamten acht Millionen Inhaber-Stamm­aktien und damit zwar nur 50 Prozent des Grundkapitals. Sie bündelte aber über die Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft mbH 100 Prozent der Stimmrechte. An der Börse waren indes nur die acht Millionen Vorzugsaktien gelistet.

Im Zuge der Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien wurden die Vorzugsaktien im Verhältnis eins zu eins in neue Stammaktien der KGaA getauscht. Für den Verzicht auf das Vorzugsrecht (Vorab- und Mehr-Dividendenansprüche) erhielten die Vorzugsaktionäre eine einmalige Ausgleichzahlung in Höhe von 0,38 Euro pro Stück. Die in der Familie gehaltenen, nicht börsennotierten Inhaber-Stückstammaktien wurden ohne Kompensationszahlung in neue Stammaktien umgewandelt.

Heute gibt es mit 16 Millionen Inhaber-Stammaktien nur noch eine Aktiengattung, und die ist nun vollständig an der Börse notiert. Komplementär, also Vollhafter und zur Geschäftsführung berechtigt, ist die Hornbach Management AG, deren alleinige Aktionärin die Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft mbH ist.

„In der damals bestehenden Aktienstruktur erlaubte §139 Abs. 2 des Aktiengesetzes nur verhältniswahrende Kapitalerhöhungen am Kapitalmarkt. Sollten wir künftig frisches Kapital über die Börse aufnehmen wollen, müssten wir also Stamm- und Vorzugsaktienkapital im gleichen Verhältnis erhöhen – das würde unsere Handlungsmöglichkeiten stark einschränken“, erläutert Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der persönlich haftenden Gesellschafterin Hornbach Management AG.

Jetzt behält die Familie auch bei einer Verwässerung auf weniger als 50 Prozent der Stimmrechte an der KGaA die unternehmerische Kontrolle. Hornbach sieht in dem Rechtsformwechsel und der Vereinheitlichung der Aktienstruktur die Position der Hornbach Holding am Kapitalmarkt gestärkt. Die Anzahl der börsenzugelassenen Holdingaktien und damit die Marktkapitalisierung habe sich verdoppelt. „Langfristig gesehen dürfte sich die Bündelung des Investoreninteresses auf nur noch eine Aktiengattung positiv auf die Liquidität der Stammaktien der KGaA auswirken.“

Die Vorzugsaktionäre scheinen der Argumentation von Familie und Unternehmen gefolgt zu sein. Sie haben der Umwandlung im Juli 2015 auf einer gesonderten Versammlung mit 99,2 Prozent zugestimmt. Der Formwechsel der ehemals Hornbach Holding AG in die Hornbach Holding AG & Co. KGaA wurde mit Eintragung ins Handelsregis­ter am 9. Oktober 2015 wirksam.

Doch so ganz ohne Nachteil ist auch die KGaA nicht. Gerade von internationalen Aktieninvestoren wird die fehlende Kontrolle der Geschäftsführung als Argument gegen den Erwerb von Papieren einer KGaA angeführt. „Selbstverständlich ist eine Kontrolle der Geschäftsführung notwendig. Deshalb ist es auch so wichtig, die Corporate Governance vernünftig auszugestalten. Nur dann wird die neue Struktur auch bei Finanzierungen über den Kapitalmarkt Erfolg haben“, macht Peter Englisch klar.

Während eine vernünftige Kontrolle also offenbar organisierbar ist, lässt sich ein weiterer Nachteil der KGaA nicht auflösen: Die Gesellschaft benötigt immer einen Komplementär, der vollständig und unbeschränkt haftet. „Es gibt Unternehmer, die das vermeiden wollen – für sie ist diese Rechtsform nicht die richtige“, erklärt Peter Englisch: „Sie fürchten den Zugriff auf ihr Privatvermögen. Im Fall des Scheiterns ist die Privatinsolvenz möglich.“ Für externe Anleger kann aber gerade das ein wichtiger Grund sein, der Geschäftsführung zu vertrauen. Anders als bei managergeführten Unternehmen fallen hier Entscheidungsbefugnis und Haftung nicht auseinander.

Tatsächlich erweist sich die persönliche Haftung in der Praxis nur dann als nachteilig, wenn der Vollhafter unerwartet verstirbt. „Dann entsteht ein Vakuum in der Geschäftsführung. Das ist ein Problem, das sich nur über eine GmbH oder AG als persönlich haftende Gesellschafterin lösen lässt. Beide Gesellschaftsformen haben als Vollhafterin der KGaA zudem den Vorteil, dass mehrere Familienmitglieder in die potenzielle Nachfolge eingebunden werden können. Ihre Organe sind der Geschäftsführer oder Vorstand, die Gesellschafterversammlung und gegebenenfalls der Aufsichtsrat. „Der Unternehmer kann so mehrere Personen in die Entscheidungsfindung über die Führung des Unternehmens involvieren, ohne dass jeder Einzelne an der Unternehmensführung beteiligt sein muss“, erklärt Andreas Englisch.

Die Geschäftsführung der KGaA liegt automatisch beim Geschäftsführer der Komplementär-GmbH oder dem Vorstand der AG. „Auch für den Fall, dass es in der Familie keine geeigneten Nachfolger für die Führung des Unternehmens gibt, lässt sich so ein Fremdgeschäftsführer einsetzen, der die Leitung übernimmt – ohne dass die Familie die Kontrolle aufgibt.“

Warum werden dann nicht noch mehr Aktiengesellschaften in KGaAs umgewandelt? „Das Rechtskonstrukt ist etwas komplexer als die meisten anderen Strukturen. Es gibt da viele Fragen zu beantworten und es braucht Zeit, bis sich alle Beteiligten sicher sind, mit der Wandlung in die richtige Richtung zu gehen“, weiß Andreas Englisch.

Ist der Entschluss zur Umfirmierung gefallen, müssen die Regelungen im Umwandlungsrecht beachtet werden: „Dort ist genau definiert, welchen Formvorschriften die Rechtsformänderung folgt, der Eintrag im Registergericht und die Arbeit der Notare dauern selten länger als vier bis sechs Monate“, erzählt Englisch. Ein weiteres Vorbereitungsjahr sollte einplanen, wer über die Umfirmierung hinaus die Ausgabe neuer Aktien und den Börsengang anstrebt: „Die notwendigen Schritte definiert das Aktienrecht. Der Unternehmer muss sich überlegen, wo er gelistet sein möchte, die verschärften Veröffentlichungsvorschriften für börsennotierte Unternehmen beachten, seine Pro-forma-Bilanzen auf ein anderes System umstellen, die Zahlen der vergangenen Jahre aufarbeiten, einen Börsenprospekt erstellen, die BaFin-Zulassung bekommen und vieles mehr – das dauert“, so Englisch.

Für Albrecht Hornbach waren die Monate der Vorbereitung der neuen Gesellschaftsstruktur auch eine Zeit der Auseinandersetzung mit dem Credo der Familie. „Wir waren in einer intensiven Diskussion, haben Vor- und Nachteile abgewogen und den Prozess genutzt, um unsere Identifikation mit unserem Unternehmen nochmals zu stärken.“    ®

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