• Gerd Hübner

Ohne (unsere) Software geht nichts mehr.

thumb USU 20150728 L4Q6355 2Kleiner Weltmarktführer. Aus einer One-Man-Show machte Udo Strehl gemeinsam mit seinem Vorstand Bernhard Oberschmidt die USU Software AG in zwei wichtigen Technologiebereichen zum weltweit führenden Anbieter. Das allein wäre schon eine Geschichte wert. Doch die Unternehmer haben noch mehr zu bieten. Einen Börsenkrimi. Den Beweis, dass langfristiges, solides Wirtschaften sich auszahlt. Und die ganz ­große Wachstumschance im Rahmen der vierten industriellen Revolution.

Im Herbst 1987 bekommt der Unternehmer Udo Strehl aus dem schwäbischen Möglingen bei Stuttgart Besuch. „Der IT-Chef der Firma Stiehl hatte ein Problem. Er sollte seiner Controlling-Abteilung einen Überblick über die Kosten der Datenverarbeitung und der gesamten IT-Struktur im Unternehmen liefern. Das konnte er aber nicht.“ Denn eine Software, die alle IT-relevanten Daten aus dem ganzen Unternehmen sammelte, zusammenführte und analysierte, gab es damals nicht. „Also machten wir uns daran, eine zu entwickeln“, erklärt der Gründer, Mehrheitsaktionär und heutige Aufsichtsratsvorsitzende von USU Software. 

In den nächsten 25 Jahren wird USU Software in vielen verschiedenen Bereichen vieler verschiedener Firmen zum Einsatz kommen. Immer wird es dabei um Daten gehen – wo sie anfallen und was sich daraus machen lässt. „Wir haben in der Vergangenheit – sozusagen – Small Data gemacht. Heute kommen die IT-Leute unserer Kunden mit einer weiterführenden  Frage zu uns, wie alle diese Daten miteinander verknüpft werden können. Das ist Big Data, der Anfang von Industrie 4.0. Und wir sind mittendrin“, sagt Strehl.

Industrie 4.0 ist ein Projekt der Bundesregierung, das den Standort zukunftsfähig machen soll. Es steht für die vierte industrielle Revolution nach der Erfindung der Dampfmaschine, der Fließbandarbeit und der Digitalisierung. Die Idee der Initiative: Durch die eigenständige und umfassende Kommunikation von Maschinen im Produktionsprozess untereinander soll ein Produktivitätssprung zustande kommen.

Konkrete Zahlen nennt eine Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation und des deutschen Verbands Bitkom. Danach soll dank Industrie 4.0 künftig in vielen Schlüsselindustrien ein zusätzliches durchschnittliches Wachstum in Höhe von 1,7 Prozent pro Jahr möglich sein. Die Steigerung der Produktivität soll sich bis zum Jahr 2025 auf 78 Milliarden Euro summieren.

Eine gewaltige Chance für die betroffenen Unternehmen. Und für diejenigen Firmen, in denen die technologischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Der Haken: Der anerkannte IT-Experte Prof. August-Wilhelm Scheer kritisierte schon vor einem Jahr in private wealth, dass die Software dafür fast ausschließlich aus den USA komme. Er befürchtete, Deutschland und auch Europa insgesamt könnten den Anschluss an Schlüsselwissen verlieren.

In Möglingen wollen sich die Verantwortlichen allerdings noch nicht so schnell geschlagen geben. „Natürlich sind die amerikanischen Softwarekonzerne in vielen Bereichen recht weit“, bestätigt Bernhard Oberschmidt, Vorstand der USU Software AG, „doch wir haben auch einen Trumpf im Ärmel. Fast 40 Jahre Erfahrung. Und die Lehren aus einer geradezu atemberaubenden Unternehmensgeschichte.“

Mitte der 1970er-Jahre hatte der damals 21-jährige Udo Strehl, gelernter Bankkaufmann und Programmierer, beschlossen, sich selbstständig zu machen. Deshalb gründete er 1977 die Udo Strehl Unternehmensberatung, kurz die USU GmbH. „Die Nachfrage nach selbstständigen Programmierern war groß und so begann ich, neben meinen eigenen Projekten andere freie Mitarbeiter mit Aufträgen zu versorgen. Im Grunde war ich also nichts anderes als eine Art Zeitarbeitsfirma.“

Mit dem Auftrag der Firma Stiehl im Jahr 1987 lässt sich das ändern. Aus dem Beratungshaus wird ein Software-Unternehmen. Bald kommen weitere namhafte Kunden wie Quelle, die Allianz, das Bundesamt für Beschaffung oder BASF dazu. Sie alle sind daran interessiert, einen Überblick über ihre damals rasant wachsenden IT-Ausgaben zu bekommen. „Und wir waren die Einzigen, die das leisten konnten.“

Die Rezession Anfang der 1990er-Jahre wird zur ersten Nagelprobe für das junge Unternehmen. „Überall brachen die Umsätze ein und alle haben zuerst bei den Externen gespart“, erinnert sich Strehl: „Damals habe ich gelernt: Es kommt auf die Unternehmenskultur an. Entscheidend sind langfristige Kundenbeziehungen. Und die Kunden müssen wissen, dass sie sich immer auf uns verlassen können. Das hat uns damals gerettet. Und so arbeiten wir auch heute noch.“

Mitte der 1990er-Jahre hat Strehl die nächste faszinierende Idee. Er möchte für sich selbst eine Wissensdatenbank aufbauen. „Wir holten damals immer mehr gute Leute, die über verschiedene Standorte verteilt waren. Um dennoch nicht den Überblick zu verlieren, brauchte ich diese Datenbank. Wir wollten alles Wissen, das wir in unserer Firma hatten, sammeln und nutzen.“

Sämtliche Informationen werden gespeichert, externe Datenquellen oder das Internet mit eingebunden. USU erstellt sogar einen Suchalgorithmus, mit dessen Hilfe die Mitarbeiter, wie bei einer Suchmaschine, auf alle Dokumente zu einem bestimmten Thema zugreifen können. „Inklusive eines Rankings, das anzeigte, wie oft ein Thema bereits aufgerufen wurde und von wem“, erzählt der Firmengründer.

Zunächst verwendet er dieses Knowledge-Management-Tool, das durch Patente abgesichert ist, nur für den internen Gebrauch. Später wird USU damit gute Geschäfte machen, indem die Firma zum Beispiel die Callcenter-Leistungen seiner Kunden verbessert. Denn bei Anfragen erhält der Callcenter-Mitarbeiter durch die Eingabe einiger weniger Stichworte unmittelbar eine Antwort via Computer – der Anrufer wird schnell und zufriedenstellend bedient. 

Dass er trotzdem haarscharf an dem ganz großen Ding vorbeischrammt, ahnt Udo Strehl zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Denn einige Jahre später wird ein US-Unternehmen mithilfe eines ähnlichen Suchalgorithmus im Internet Furore machen. „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätten wir sicher mehr daraus gemacht“, zuckt Strehl die Schultern: „Aber zu dieser Zeit fehlte uns einfach die Erfahrung.“ Sonst würde die Welt heute vielleicht „USUen“ – und nicht „googeln“.

Einige Jahre später wird Udo Strehl aber seine nächste große Chance bekommen.

Mitte der 1990er-Jahre ist die USU GmbH zwar noch ein kleiner Mittelständler mit umgerechnet rund 13 Millionen Euro Umsatz. Trotzdem macht Strehl eine Aktiengesellschaft da­raus. „Zunächst gar nicht mit dem Ziel eines Börsengangs, sondern um meine Mitarbeiter an der Firma beteiligen zu können. Aber im Hinterkopf waren natürlich schon die Chancen, die uns der Aktienmarkt bieten könnte – Kapital, Wachstum, einen größeren Bekanntheitsgrad.“

Im Juli des Jahres 2000 – sozusagen auf den letzten Drücker, denn der Neue-Markt-Boom ist eigentlich schon vorbei – erfolgt tatsächlich der Börsengang. Die rund 27 Prozent der Firmenanteile, die Strehl verkauft, spülen 23 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Die Firma ist schlagartig etwa 110 Millionen Euro wert – eine mehr als sportliche Bewertung angesichts von rund 20 Millionen Euro Umsatz. Trotzdem verdoppelt sich der Kurs und damit der Marktwert sofort.

Immerhin ist die Firma – anders als die meisten Unternehmen am Neuen Markt – profitabel und hat sogar ein funktionierendes Geschäftsmodell. Und Strehl agiert auch anders als die „Stars“ am Neuen Markt. Eisern hält er an seinen Prinzipien fest: keine Risiken in Form von unkontrolliertem Wachstum, kein Geld verbrennen, sich nicht verschulden. „Ich hatte von meinem Vater gelernt, nur Geld auszugeben, das ich besitze.“ Deshalb hat USU noch Kapital auf der Bank, als die Blase platzt und die IT-Branche eine massive Rezession erlebt.

Besonders betroffen ist ein IT-Unternehmen aus der Nachbarschaft der USU Software AG. Openshop, ein Anbieter von Software für das E-Business, war drei Monate vor USU an die Börse gegangen und hatte einen fulminanten Start gefeiert. Obwohl nicht viel mehr als eine „Konzeptfirma“, wurde Openshop mit mehr als 500 Millionen Euro bewertet. Netto flossen der Firma 188 Millionen Euro zu. In den ersten Tagen kletterte der Kurs um mehr als das Doppelte. Jetzt war die Firma mehr als eine Milliarde wert.

Dann wendet sich das Schicksal. Der Börsenboom ist vorbei. Openshop-Gründer und CEO Thomas Egner kommt im Januar 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. „Wir haben uns die Firma näher angeschaut und kamen zu der Auffassung, dass im Bereich Shop-Lösungen Wachstumspotenzial steckte und dies gut zu unserem Bereich Wissensmanagement passen würde. Openshop hatte Geld, aber keine fertigen Produkte und keine Kunden. Wir dagegen hatten Produkte und Kunden, aber nur beschränkte Mittel. Ich dachte, das passt.“

Strehl sieht die Chance auf eine vielversprechende Partnerschaft und hat auch ein bisschen Glück. Denn aus der ehemaligen Milliardenfirma Openshop macht der Bärenmarkt zügig ein 70-Millionen-Euro-Unternehmen. Der Marktwert von USU hat sich gegenüber der Bewertung beim Börsengang zwar auch reduziert – aber bei Weitem nicht so drastisch. Am 8. Feb­ruar – pikanterweise an dem Tag, an dem die Deutsche Börse das Ende des Neuen Markts verkündet – fusionieren beide. Für eine USU-Aktie gibt es 1,4 Openshop-Anteile. Udo Strehl ist jetzt Mehrheitsaktionär des Gemeinschaftsunternehmens USU Openshop AG und glaubt sich auf der Siegerstraße.

Ganz so einfach ist es freilich nicht. Die Tech-Krise erwischt die Firma mit voller Wucht. Im Geschäftsbericht 2002 steht ein fast schon poetisches Oeuvre: „Das Jahr 2002 ist Geschichte. Endlich. Denn es war für USU-Openshop eine Ka­tastrophe. 38,4 Millionen Euro Jahresverlust bei einem Umsatz von 19,5 Millionen Euro sagen alles. Punkt.“

Strehl und seine Mitstreiter haben nicht nur Dauer und Tiefe der Krise unter-, sondern vor allem das Synergiepotenzial des Zusammenschlusses überschätzt. „Als wir die einzelnen Bereiche durchforstet haben, taten sich da nur Blasen auf. Das Geschäft von Openshop funktionierte nicht.“ Dazu kam: „Im Aufsichtsrat der gemeinsamen Firma waren auch Vertreter der Bank und Alteigentümer von Openshop. Dass alle mitsprechen wollten, behinderte eine zügige Restrukturierung.“

Udo Strehl, der Mehrheitsaktionär, fasst sich ein Herz und macht ein Übernahmeangebot für ein größeres Aktienpaket. „Ich musste mich dafür zwar erstmals in meinem Leben verschulden, hatte aber ein Konzept und war mir sicher, dass es sich lohnen würde.“ Nach zähen und nervenaufreibenden Verhandlungen mit Alteigentümern gehören ihm schließlich 75 Prozent von USU Openshop AG, aus der dann später die USU Software AG wird.

Eigentlich wäre nun zu erwarten gewesen, dass er die Zügel fest in die Hand nimmt. Doch Udo Strehl hat sich da schon längst anders entschieden. Er wechselt aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat. „Das war eine sehr persönliche Entscheidung. Zudem stand die Internationalisierung an. Ich war ganz einfach der Ansicht, dass andere Leute das besser können als ich“, erklärt er. „Außerdem fand ich die Rolle des Chairman nach amerikanischem Vorbild, wo ich als Hauptinvestor einen gewissen Einfluss ausübe, sehr reizvoll.“

Für den Nachfolger im Vorstandsvorsitz, Bernhard Oberschmidt, wird es ein hartes Jahr. Die Firma, die extrem viel Wert auf ihren Ruf als erstklassiger Arbeitgeber legt, muss Personal abbauen und restrukturieren. Auch 2003 macht USU noch Verlust, dann sind Strehl und Oberschmidt über den Berg. „Wir konnten uns, nachdem die Turbulenzen um die Übernahme mehr als eineinhalb Jahre gedauert hatten, mit einer klaren Strategie wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, sagt Strehl rückblickend.

Inhaltlich bedeutet das: Fokussierung auf die beiden Kernbereiche Wissensmanagement und Software. Unternehmerisch gelten die alten Grundsätze weiter: Die Kasse muss immer gefüllt sein, keine Abenteuer auf Pump. Konzentriere dich auf profitable Nischen. Und wenn du siehst, dass andere Leute es ebenso gut oder besser können, verbünde dich mit ihnen. USU möchte organisch und anorganisch wachsen, um ein kleiner Weltmarktführer in ihren Nischen zu werden. Wer eine derart schwierige Fusion wie die mit Openshop gestemmt hat, dem muss vor Firmenzusammenschlüssen nie mehr bange sein.

Im Jahr 2005 kauft USU die Omega Software GmbH, die das Angebot im Geschäftsfeld der IT-Management-Lösungen erweitert. Der nächste Streich folgt 2006 mit dem Erwerb der LeuTek GmbH, die den Bereich des Business-Service-Managements ergänzt.

Dabei geht Oberschmidt vorsichtig zu Werke. „Unsere grundsätzliche Ausrichtung ist es, mit unseren Produkten und Lösungen die Transparenz bei unseren Kunden zu erhöhen, deren Service für ihre Kunden zu verbessern, und natürlich Einsparpotenziale bei den Kosten zu schaffen. Genau in diese Strategie müssen sich die Produkte einer Firma, die wir kaufen, einfügen.“

Außerdem muss eine Firma eine gewisse Historie haben, profitabel sein, schon selbstständig gut funktionieren und durch die Integration Synergieeffekte ermöglichen. „Und der Zukauf muss zu unserer Kultur passen, sonst machen wir es nicht.“ Vor allem aber bleiben die Schwaben auch in dieser Zeit ihrer    >  Linie treu: „Wir würden uns nie für eine Übernahme verschulden. Wir finanzieren die Zukäufe, bei denen wir uns bislang auf das Inland beschränken, nur über die Ausgabe eigener Aktien oder aus dem Cashflow.“

Um die wirklich interessanten Firmen in ihre Gruppe integrieren zu können, entwickeln die USU-Verantwortlichen eine intelligente Strategie. Schließlich trennen sich die Gründer kleinerer und mittelständischer Firmen, die noch dazu profitabel arbeiten, nur sehr schwer von ihrem Lebenswerk.

„Wir sehen das Ganze nie nur aus unserer Perspektive, sondern immer auch aus Sicht des Verkäufers“, erklärt Oberschmidt weiter. „Wir suchen gezielt nach Firmengründern, die ihre Firma in nachhaltige Hände geben wollen, und das zu einem für den Umsatz, das Wachstum und den Ertrag fairen Marktpreis. Und wir bieten dem Verkäufer eine hervorragende Struktur, in der sich sein Unternehmen als USU-Tochter weiterentwickeln kann.“ Gründer sowie langjährige Mitarbeiter der übernommenen Firmen bleiben – unter Umständen als Geschäftsführer – auch an Bord. Und sind über Aktien weiter am Erfolg beteiligt. Bernhard Böhler zum Beispiel, Mitgründer der Aspera GmbH, die USU 2010 übernommen hat, sitzt heute sogar mit im Vorstand der USU Software AG. 

Diese vorsichtige Unternehmensstrategie dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, dass USU fast unbeschadet durch die Rezession 2009 kommt. „Für uns war ja das ganze Jahrzehnt ein einziges Auf und Ab. Es hat sich ausgezahlt, dass wir viel dazugelernt haben“, erklärt Oberschmidt. Natürlich spürt auch er, dass die Aufträge 2008 schwächer ausfallen. Doch während andere in Deckung gehen, kann er nun frühzeitig eine offensive Losung für das Jahr 2009 ausgeben: „Investieren und Internationalisieren.“ Tatsächlich steigt der Umsatz und USU bleibt auch 2009 profitabel. „Unsere Produkte ermöglichten es dem Kunden, ihre IT effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Das war gefragt. Wenn Schwaben etwas besonders gut können, dann ist das eben Sparen.“

Rückblickend zeigt sich, dass in diesen Jahren die Grundlage gebildet wird, um ein europäischer Softwareanbieter mit globaler Präsenz zu werden.
Mittlerweile bearbeitet die USU Software AG sechs Geschäftsfelder und hat sieben Übernahmen gestemmt. In den beiden stärksten Nischen, dem Software-Lizenzmanagement und Wissensmanagement für Callcenter, ist die Firma tatsächlich Weltmarktführer geworden. „Jedes Unternehmen möchte schließlich ganz genau wissen, was seine IT macht, wo die Rechner mit welcher Ausstattung und welchen Softwarelizenzen stehen. Und was dafür bezahlt wird. Unsere Software kennt das Unternehmen des Kunden in Sachen IT besser als er selbst. Genau deshalb kommt er zu uns“, erklärt Oberschmidt.

In Jahr 2015 wird USU so einen Umsatz zwischen 64 und 68 Millionen Euro machen – doppelt so viel wie 2002. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll dann zwischen acht und 9,5 Millionen Euro liegen. Die Eigenkapitalquote beträgt rund 65 Prozent, die liquiden Mittel stehen bei fast 19 Millionen Euro. Und die Zahl der Mitarbeiter ist auf fast 500 angestiegen.

Auch am Kapitalmarkt wird diese Entwicklung honoriert. In den letzten fünf Jahren hat sich der Kurs der USU-Aktie mehr als vervierfacht. Heute ist die Firma 175 Millionen Euro wert – fast so viel wie zu den Zeiten der Euphorie am Neuen Markt. 

Wenn es nach Bernhard Oberschmidt geht, ist dies aber nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum nächsten großen Ziel. „Wir möchten im Jahr 2017 etwa 100 Millionen Umsatz machen – durch Wachstum auf margenstarken Auslandsmärkten und durch Übernahmen.“ Die ehemalige One-Man-Show aus Möglingen würde dann zu den zehn größten Softwarehäusern in Deutschland gehören.

Unrealistisch ist dies nicht. Denn schließlich ist da ja noch das neue, große Thema Big Data. Laut der Studie „Geschäftsmodell-Innovation durch Industrie 4.0“, die das Fraunhofer Ins­titut zusammen mit der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner erstellte, wird der Weg zur Industrie 4.0 ein unvorstellbares Datenwachstum mit sich bringen. Messstellen und Sensoren von Maschinen werden laufend Millionen von Daten produzieren. „Stellen Sie sich vor, ein Produktionsleiter weiß aufgrund der Auswertung dieser Daten schon frühzeitig, wann eine Wartung oder eine Reparatur bei einer Maschine erforderlich ist. Dann haben Sie keine plötzlich stillstehenden Bänder oder Maschinen mehr, keine Ausfallzeiten. Das bringt Effizienz- und Kostenvorteile und letztlich Wachstum.“

Um diese Datenmenge verwalten und zielgerichtet nutzen zu können, seien neue Ansätze notwendig. Und neue Software. Jedes Jahr, konkretisiert Oberschmidt, komme deshalb weltweit Software im Wert von 400 Milliarden Euro dazu. Tendenz steigend: „Wir helfen, dieses Wachstum zu managen.“

Wie gut USU in diesem Bereich positioniert ist, belegt auch eine Ausschreibung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Das BMWi wählte im Rahmen ihres Technologieprogramms „Smart Service Welt – Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft“ unlängst 16 förderungswürdige Projekte aus. USU Software kam gleich zwei Mal zum Zug.

„Wir arbeiten – auch mit anderen deutschen Unternehmen und den staatlichen Stellen – daran, ein Gegengewicht zur US-amerikanischen Dominanz im Bereich der Industrie 4.0 zu entwickeln“, erläutert Strehl. „Unser erstes Produkt für die Smart Factory, das schon jetzt auf großes Interesse bei den Kunden stößt, werden wir voraussichtlich Ende dieses Jahres herausbringen.“

Weil Wachstum sowohl organisch als auch anorganisch via Firmenkauf funktioniert, wurde Anfang Oktober 2014 zudem ein neuer Vorstand etabliert, der sich künftig zentral um das Thema Akquisitionen kümmern soll – der 30-jährige Benjamin Strehl, Sohn des Unternehmensgründers Udo Strehl. Damit ist nun auch wieder ein Mitglied der Gründerfamilie im Vorstand und operativ tätig. 

Kein Wunder also, dass für Udo Strehl selbst ein Verkauf seiner Anteile an der USU Software AG – er hält aktuell knapp 51 Prozent – kein Thema ist. „Das ist ein langfristiges Engagement, bei dem mich nicht nur die Rendite überzeugt“, erklärt der Unternehmer. „Diese Firma wird es auch in zehn Jahren noch geben. Und sie wird dann eines der erfolgreichsten und profitabelsten Softwarehäuser mit weltweitem Fokus am deutschen Markt sein.“                                                   ® 

 

Verlagsanschrift

  • Private Wealth GmbH & Co. KG
    Montenstrasse 9 - 80639 München
  • +49 (0) 89 2554 3917
  • +49 (0) 89 2554 2971
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sprachen

Soziale Medien