• Petra Bäuerle

Ganz schön ausgeschlafen.

Hefel 20150121 L4Q2857Standortstrategie. Der Bettwarenhersteller Hefel lässt mit seinen Innovationen den Rest der Branche alt aussehen. Ein Ergebnis kluger Geschäftspolitik der Cousins Ulrike und Dietmar Hefel ­sowie der rechtzeitigen Klärung unterschiedlicher Interessen in den Familienstämmen.

Ein Kissen für Bauchschläfer, ein Unterbett mit Zirbenflocken, eine Bettdecke aus 100 Prozent Himalaya-Cashmere. Das Beste aus der Natur und das Modernste an Fasertechnik, ökologisch, feuchtigkeitsausgleichend und natürlich: komplett „Made in Austria“. Nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der 95 Prozent der Weltmarktproduktion an Inletts aus Asien kommt.

Inletts, „Stoffhüllen aus festem Baumwollgewebe für die Federn von Federbett und -kissen“, wie der Duden verrät, sind das Kerngeschäft des österreichischen Familienunternehmens Hefel. Typische Halbfertigprodukte, die als solche vermutlich das Überleben des Familienunternehmens nicht gesichert hätten – wäre nicht rechtzeitig die Entscheidung gefallen, durch den Zukauf eines weiteren Werks komplette Produkte, nämlich Kissen und Decken, zu produzieren. „Die Konzentration auf das marketingfähige Fertigprodukt war und ist ein Hauptgrund unserer positiven Entwicklung und dies in einer Zeit, in der leider der Großteil der Textilunternehmen vom Markt verschwunden ist“, erklärt Dietmar Hefel, der gemeinsam mit seiner Cousine Ulrike die Geschäfte der Hefel Textil GmbH führt.

Für die wissenschaftliche Fundierung dieser Strategie hat er selbst schon früh gesorgt. Schließlich befasst Hefels Dip­lomarbeit sich mit „Produktdifferenzierung als Produktinnovation unter besonderer Berücksichtigung der Vorarlberger Textilindustrie“.

Die Schreibtische der beiden stehen in der obersten Etage der heiligen Hefel-Hallen in Schwarzach, unweit von Bregenz und dem Bodensee, mit einem atemberaubenden Blick hinüber auf die Schweizer Berge.

Ulrike Hefel kümmert sich um alle Märkte außer Österreich und Deutschland, die zur Domäne ihres Vetters gehören. „Ich war schon immer die Reiselustige in der Familie“, begründet die sympathische Managerin die Aufteilung der „Reviere“. Sie spricht Englisch, Französisch, Italienisch und ein wenig Spanisch – und hat unlängst auch Russisch gelernt. Schließlich sei Russland  > der viertgrößte Markt für Hefel Bed and Sleep. „Es ist eminent wichtig, vor Ort zu sein und sich auch persönlich einzubringen. Wer die Sprache der Menschen spricht, öffnet deren Herzen.“

Ein Drittel des Jahres ist die Vorarlbergerin deshalb als Botschafterin ihrer Firma unterwegs. Hefel Textil liefert in rund 50 Länder weltweit, von A wie Australien über I wie Indien bis zu U wie USA.

Österreich ist mit 51 Prozent Umsatzanteil die Nummer eins und Hefel dort der Marktführer seiner Branche. Beim Export führt der Nachbar Deutschland – mit 12,8 Prozent des Gesamtumsatzes, worauf Dietmar Hefel ziemlich stolz ist.   „Deutschland ist der mit Abstand am härtesten umkämpfte Markt, schon allein der Tatsache wegen, dass hier mehr als die Hälfte aller Bettdeckenerzeuger Europas beheimatet sind. Trotzdem konnten wir in den letzten fünf Jahren den Deutschland-Umsatz mehr als verdoppeln – Tendenz weiter steigend.“

Insgesamt meldet Hefel für 2014 einen Wachstumssprung von über neun Prozent, der die solide kontinuierliche Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre toppt und die Weichenstellung bestätigt. „Made in Austria“ war offensichtlich das richtige Konzept für den Weg in die Zukunft. „Gleichbleibend hohes Qualitätsniveau, starke Innovationskraft und ein Imagetransfer der kulturellen und traditionellen Werte der österreichischen Heimat auf die Marke – das ging eben nur hier“, erläutert Ulrike Hefel.

Doch so klar, wie es heute scheint, war diese Strategie nicht immer. Zwar waren sich Ulrike und ihr Cousin immer einig. Doch vor zehn Jahren hatte die dritte Linie der Familie für die Verlagerung der Produktion ins Ausland plädiert. Die drei Unternehmensnachfolger und ihre Familien drifteten auseinander.

Josef Anton Hefel hatte im Jahr 1907 mit der Gründung der Schifflistickerei das Unternehmen aus der Wiege gehoben. Sein Neffe Johann, der einige Jahre später in die Firma eintrat, übernahm diese 1924 und begann 1936 mit dem, was bis heute Kerngeschäft ist: der Inlettweberei. Den drei Söhnen Josef, Robert und Hans überträgt er 1970 die Geschäftsleitung.

Zwei Jahre später übernehmen diese eine Steppdeckenfabrik in Kefermarkt im oberösterreichischen Mühlviertel. Damit ist Hefel nun nicht mehr nur Anbieter von Halbfertigprodukten, den Inletts, sondern kann komplette Bettwaren liefern. 1988 erfolgt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, um, so erklärt es Dietmar Hefel, „falls erforderlich Management von Eigentum trennen zu können“.

Das ist allerdings nicht nötig. 1993 wird Dietmar Hefel, ein Sohn von Robert, Vorstand der Hefel Textil AG. Seine Cousine Ulrike, eine Tochter von Josef, dem Ältesten der drei Brüder, tritt 1997 ins Unternehmen ein. Nur die Familie von Hans ist nicht operativ tätig und verlegt den Schwerpunkt ihrer unternehmerischen Aktivitäten auf den Bereich Immobilien und Hotellerie.

Was die Zukunft der Hefel Textil AG betrifft, entwickelt dieser Familienteil bald andere Pläne. Mit dem Argument, wegen der hohen Lohn- und Lohnnebenkosten in Österreich nicht kostendeckend produzieren zu können, will die Familie von Hans Hefel die gesamte Fertigung ins Ausland verlegen. Die beiden anderen Stämme aber sind sich sicher: „Qualität wird siegen. Und Qualität gibt es nur hier.“

Nun gilt es, eine Lösung zu finden, die das Unternehmen nicht gefährdet und gleichzeitig den Vermögensstand wahrt. Das ist knifflig, weil die Firma ja in den eigenen Immobilien arbeitet. Um einen Zweig der Familie problemlos auszahlen zu können, hätten diese veräußert werden müssen. Ein „riesiger Kraftakt“, wie Ulrike Hefel das formuliert, wäre auf Firma und Familien zugekommen. 

Wieder hat Dietmar Hefel für eine komplizierte Entscheidungslage die wissenschaftlich fundierte Lösung parat: „Optimierung von Entscheidungen unter Risiko“, lautet schließlich der Titel seiner Doktorarbeit. „Hilft im stetig komplexer werdenden Umfeld immer“, kommentiert er gelassen.

Seine Lösung: Im Jahr 2005 wird die Hefel Textil AG in eine operative Gesellschaft, die Hefel Textil GmbH, und in eine Immobiliengesellschaft, die Hefel Realvermögen AG, aufgespalten. „Dadurch wurde unter anderem die Möglichkeit geschaffen, beim operativ tätigen Unternehmen die Gesellschafterstruktur von drei Familien mit je einem Drittel auf zwei Familien mit je einer Hälfte Anteil zu konzentrieren.“

Die konkrete Idee: Die Familie von Hans Hefel wurde – was den Produktionsbetrieb betrifft – von den anderen beiden Familienzweigen ausbezahlt. Ulrike Hefel: „Wir haben das jeweils privat finanziert und dabei nicht auf das Firmenvermögen zugegriffen.“ Außerdem sicherte ein langfristiger Mietvertrag mit der Textil GmbH die Einnahmen der Realvermögen AG, in der alle drei Familienstämme zu gleichen Teilen vertreten sind.

„Mit dieser Lösung können heute alle sehr gut leben“, stellt Ulrike Hefel fest. Zusammen mit ihrem Cousin nahm sie die Herausforderung an, trotz hoher Herstellungskosten am Standort Vorarlberg festzuhalten. Qualität, Innovationskraft und eine gewisse Originalität der Ideen zeichnen die Produkte aus und manifestieren den Know-how-Vorsprung.

„Wir waren zum Beispiel die ersten, die mit der fortschrittlichen Faser Tencel® gearbeitet haben, und verfügen bis heute über die weltweit größte Kompetenz bei Bettwaren mit Tencel®, einer Faser, die zu 100 Prozent aus Holz gewonnen wird“, erklärt Ulrike Hefel. Die Herstellung erfolgt umweltfreundlich und energiesparend – diverse Umweltpreise bestätigen das. Und: Diese Stoffe werden aufgrund der glatten Faseroberfläche als besonders angenehm empfunden. Sie sollen sogar Hautirritationen lindern. „Das kann keiner so gut wie wir.“

Diese Kombination von Fortschritt und Natur unterstreichen auch die Verarbeitung von antiallergisch wirkenden Maisfasern oder die temperaturausgleichenden und langlebigen Bambusfüllungen für Bettdecken. Ob „bauschige Funktionsfüllungen“ oder kreuzförmig übereinander gelegte Florlagen, ob das Schlafsystem Sleep Fit® für die Sportler des Österreichischen Skiverbands oder KlimaControl-Fair-Bettwaren mit Fair­Trade-zertifiziertem Baumwollgewebe, irgendetwas Neues fällt den Unternehmern aus Vorarlberg immer ein.

Auszeichnungen wie als „Best New Product“ der New York Home Textile Show sind für Hefel heute deshalb fast eine selbstverständliche Bestätigung, aber über eine haben sich die Vorarlberger dann doch richtig gefreut: das „Sehr gut“ für die Hefel Zirbenbettdecke von der als überaus kritisch bekannten Zeitschrift „Öko Test“. „Durch Beimengung von Tiroler Zirbenflocken in die Füllung wird Schlafen zur tiefen Erholung für Herz und Kreislauf“, verspricht Ulrike Hefel und zitiert als Beleg eine Studie der Universität Graz.

Gespeist wird die Innovationskraft auch aus einer engagierten Belegschaft. „Die meisten unserer Mitarbeiter sind zehn, 20 und mehr Jahre bei uns. Aus einer Familie haben wir sogar drei Generationen im Betrieb beschäftigt. Auch deshalb kam für uns ein Standortwechsel nicht infrage.“ Schließlich habe soziale Verantwortung Tradition in diesem Unternehmen. Schon als Kind hat Ulrike Hefel zusammen mit ihren beiden Schwestern – die andere Berufe wählten – viel Zeit beim Großvater Johann verbracht, von ihm einiges über Eigenverantwortung und Pioniergeist gelernt. Und nicht nur das: Auch Heimatliebe, Naturverbundenheit, ökologisch verantwortliches Denken und Handeln und nicht zuletzt soziales Pflichtgefühl gehören zum „Erbe“.

Von diesen Werten lässt sich Ulrike Hefel auch leiten, als sie einen kleinen, feinen Firmenableger in der fernen Mongolei eröffnet. Mit Ulrike Hefel Pure Cashmere gönnt sich die modebewusste Firmenchefin ein persönliches Luxus­label, eingebunden ins textile Gesamtangebot und vielleicht der Beginn einer wunderbaren (Erfolgs-) Geschichte. Vorerst gibt es nur Schals, Plaids und Ponchos, gefertigt aus allerfeinstem, zehnfach gekämmtem Kaschmir, das im Frühjahr aus dem Fell flauschiger Kasch­mirziegen gewonnen wird.

Produziert wird natürlich in der Mongolei, von einheimischen Arbeiterinnen. Denn das Grundprinzip, so Ulrike Hefel, gelte dort wie in Vorarlberg: „Durch die Produktion der Waren in einer Manufaktur am Ursprungsort soll ein Großteil der Wertschöpfung im Land bleiben. Und vielen Menschen dort Arbeit und Auskommen geben.“    ®

Verlagsanschrift

  • Private Wealth GmbH & Co. KG
    Montenstrasse 9 - 80639 München
  • +49 (0) 89 2554 3917
  • +49 (0) 89 2554 2971
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sprachen

Soziale Medien