• Klaus Meitinger

Warnsignal.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Jahren hatten wir Ihnen häufiger die Meinung des Schweizer Vermögensverwalters Alfons Cortès vorgestellt. Wir halten dessen Aussagen für besonders interessant, weil er nicht versucht, ökonomische Daten zu prognostizieren, sondern sich ausschließlich auf die Sprache der Märkte konzentriert – also auf Preisbewegungen von Wertpapieren.

Seit März 2009 identifizierte Cortés an den Börsen der Welt einen Aufwärtstrend. Und auch in der Jubiläumsausgabe von private wealth im September 2014 analysierte er: „Der Bullenmarkt ist noch intakt.“

Inzwischen ist Cortés vorsichtiger geworden. Um sie als Abonnenten von private wealth auf den neuesten Stand zu bringen, gestattete Alfons Cortés uns, seinen jüngsten Newsletter an dieser Stelle zu publizieren:

„Zum neuen Jahr weiß ich nichts besseres als mich wie immer an den von Sean Connery gespielten Kommissar im Film „The Untouchables“ zu orientieren, der dem rastlosen FBI-Agenten sagte: „Warte nicht darauf, dass etwas passiert, wünsche es nicht einmal herbei, sondern achte nur da- rauf was passiert.“ Das reicht, weil Verlass darauf ist, dass das, was passiert, über Monate einem Muster folgt bevor ein neues Muster sich für Monate bis Jahre etabliert. So gesehen ist das Muster mehr als nur ein Muster, es stellt eine Struktur dar. 

Die Struktur von März 2009 bis Oktober 2014 war jene eines Aufwärtstrends an fast allen Aktienmärkten der Welt. Seither ist es anders. Selbstverständlich schwanken auch in einer Struktur die Kurse von Tag zu Tag. Ist die Struktur ein Trend, so verändern sich die Kurse von Monat zu Monat und insbesondere von Quartal zu Quartal recht deutlich. So hat der MSCI Welt zwischen Juli und Dezember 2014 3,08% verloren. Vom 02.07. bis zum 16.10. gab er 9,7% preis, dann ist er bis zum 26.11. um 9,8% gestiegen, um dann wiederum bis zum 15.12. 5,9% zu verlieren. Bis zum Jahresende hat er wieder 3,3% zugelegt.

Wer meint, diese Schwankungen in einer Struktur, die nicht Trend- sondern Transitionscharakter hat, ausnützen zu können überschätzt die Präzision technischer und fundamentaler Instrumente und die Kostenfolge, z.B. in Form von Steuern. Wer in der Schweiz oft handelt wird in den meisten Kantonen für Kapitalgewinne einkommenssteuerpflichtig.

Ein Trend hat eine Eigenschaft, die daher kommt, dass eine der beiden Parteien – jene der Bullen im steigenden, jene der Bären im fallenden – das Geschehen dominiert und überzeugt ist zu wissen, wohin die Reise geht. Die Koalitionäre der „regierenden“ Partei sind sich über das erreichbare Ziel einig, obwohl sich die Methoden, mit der sie zu ihren Überzeugungen gelangen, substantiell unterscheiden. Diese Einigkeit sorgt dafür, dass durch Nachrichten ausgelöste Schwankungen rasch wieder in die Richtung eines geglätteten Trends angepasst werden. Wird die Koalition hingegen brüchig, tritt der Trend in eine Transitionsphase. Während der Suche nach neuen Gewissheiten oder nach einer Bestätigung der alten tun die Börsen das, was sie seit Oktober tun, und das wirkt sich so aus wie oben anhand der Bewegungen des MSCI dargestellt. Wie lange diese Transitionsphase, die ich als Struktur C bezeichne, anhält, weiß ich nicht.

Wie diese Struktur C endet, weiß ich so wenig wie der Kommissar im „The Untouchables“ wissen konnte, wie die auf seine Truppe zukommende Schießerei ausgehen würde. So wie seine Leute verhalte ich mich auch an der Börse solange Struktur C andauert: Ich gehe in Deckung.“ 

Hintergrund: Alfons Cortés unterscheidet fünf Marktstrukturen:

Die homogen positive Phase A, in der die Aktienindizes mit großer Marktbreite steigen. 

Die heterogen positive Phase B, in der Marktbreite im Aufwärtstrend schrumpft.       

Die oben beschriebene Transitionsphase C – eine Art Übergangsphase, die gekennzeichnet ist durch einen Seitwärtsverlauf der Indizes bei signifikant unterschiedlichen Trends einzelner Aktien.

Und dann noch die Strukturen D – homogener Abwärtstrend – und E – heterogener Abwärtstrend.

Das Erreichen der Phase C nach einem langen Aufwärtstrend ist deshalb ein erstes Warnsignal. Denn diese kann schließlich – sie muss es aber nicht zwingend – in einen Bärenmarkt münden.

Wir wünschen Ihnen einen entspannten Jahresbeginn,
Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die gemachten Angaben spiegeln allein die Meinung des Autors wider. Sie dienen nur der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.