Die Lage spitzt sich zu.

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das größte wirtschaftspolitische Experiment aller Zeiten geht in die nächste Runde. In Phase eins haben mehr als 700 Zinssenkungen und Milliarden an Anleihekäufen die Renditen aller Anlageklassen gedrückt und deren Kurse nach oben geschoben. Ein Aspekt wurde dabei von Anlegern aber gern übersehen.

Wer ein Investment tätigt, kauft immer einen gegebenen Strom an erwarteten Erträgen. Zahlen Investoren dafür mehr, sinkt die Rendite – im Extremfall eben auf null. Am absoluten Wert des Zahlungsstromshat sich ja nichts geändert. Der Verkäufer kassiert in diesem Fall einen Großteil des möglichen Ertrags sozusagen vorab. Dem Käufer bleibt die geringere Rendite – und die Hoffnung, später jemanden zu finden, der noch mehr bezahlt.

Deshalb gehörte ein weiterer Aspekt zum Plan. Anleger, die sich reicher fühlen und Unternehmer, die Geld für null bekommen, würden mehr konsumieren und investieren. Das Wachstum nähme zu, die Zahlungsströme würden ansteigen. Doch dies geschah nicht. Die Wachstumserwartungen werden sogar nach unten revidiert. Angesichts von Brexit, Terror und Polit-Unsicherheiten wächst die Sorge, dass die Ertragsströme künftig niedriger ausfallen könnten – das wäre fatal für Anleger, die hohe Preise bezahlt haben.

Schon lange haben Ökonomen die Demografie und vor allem die hohe Verschuldung als Grund für das strukturell geringe Wachstum ausgemacht. Doch jetzt ist ein Ausweg in Sicht: Noch mehr Verschuldung. Das ist Phase zwei des Experiments.

Die Fiskalpolitik scheint weltweit expansiver zu werden. In Japan, den USA, Italien sind Ausgabenprogramme geplant. Im Fall von Spanien und Portugal verzichtete die EU auf Strafen für zu hohe Defizite. Noch mehr neue Schulden zu null Zins, die dann auf Umwegen von den Notenbanken gekauft werden, das scheint eine verlockende Idee. Besonders pikant dabei ist: Schon heute sind die meisten Staaten so stark verschuldet, dass sie höhere Zinsen nicht verkraften könnten. Steigt die Schuldenlast weiter, wäre eine Änderung der Geldpolitik wohl kaum mehr möglich. Die Notenbanken wären gefangen. Null Zins für immer? Wir sind gespannt, wie das Experiment ausgehen wird. Von Boom an den Börsen bis zu Vertrauensverlust und Krise ist nun alles denkbar.

Herzlichst,

unterschrift-kmKlaus Meitinger
Chefredakteur

unterschrift-eckesMoritz Eckes
Herausgeber

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